Geschichte
Die 50er-Jahre
Die 60er-Jahre
Die 70er-Jahre
Die 80er-Jahre
Die 90er-Jahre
Das 21. Jahrhundert
Saison 2003/2004
Saison 2004/2005
Saison 2005/2006
Saison 2006/2007
Saison 2007/2008
Saison 2008/2009
Saison 2009/2010
Die 50er-Jahre: Aller Anfang ist schwer
Basketball wurde in Quakenbrück etwa ab 1954 am Artland-Gymnasium gespielt. Im Jahr darauf waren es zwei Sportbegeisterte, die durch Zeitungsartikel für das moderne Ballspiel aus den USA warben und eine Interessengemeinschaft gründeten, die sich dem Quakenbrücker TSV (QTSV) anschloss. Die Pioniere Jürgen Köhler und Dieter Jedam zogen schon bald bei sehr guter Beteiligung ein intensives Training auf.
Den ersten Schritt an die Öffentlichkeit wagten die QTSVer am 28. Oktober 1956, als sie gegen die im Basketball fortgeschrittenen Quakenbrücker Gymnasiasten antraten und erwartungsgemäß klar unterlagen (25:61). Nachdem sich diese Schüler dem Verein angeschlossen hatten, erlebte die Abteilung innerhalb kürzester Zeit einen sprunghaften Auftrieb. In mehreren Freundschaftsspielen kamen die Basketballer zum Teil zu recht achtbaren Ergebnissen. Die Abteilung zählte schon bald zu den leistungsstärksten Mannschaften des Regierungsbezirks. Dank des Initiators, Studienrat Wilhelm Hoffmann, wurde Quakenbrück neben Osnabrück zu einer zweiten Basketball-Hochburg. Bei Freundschaftskämpfen bot der QTSV starke Gegner auf, darunter auch die Oberligisten VfL Osnabrück und TV Essen-Altenessen. Höhepunkt einer schönen Erfolgsserie war die Reise zum Turnier in Bochum am 12./13. April 1958, von der der QTSV ungeschlagen zurückkehrte.
Im Jahr 1958 nahm der QTSV auch erstmalig an Punktspielen teil. Er trat in der Stadtliga Osnabrück an, die später zu einer Bezirksliga avancierte. In ihr hielten sich die Basketballer stets ausgezeichnet, belegten in jedem Jahr einen der vorderen Tabellenplätze.
Die 60er-Jahre: Erste Erfolge auf Landes- und Bundesebene
1961/62 gelang es, besser gesagt, war die finanzielle Grundlage geschaffen worden, den Aufstieg in die Bezirksliga zu wagen. Aber nur eine Saison hielten sie sich in der zweithöchsten Spielklasse des Niedersächsischen Basketball-Verbandes (NBV). Dann verließen die meisten Spieler Quakenbrück, um ihr Studium bzw. ihren Beruf in einer anderen Stadt auszuüben.
Zu den Höhepunkten des QTSV-Basketballlebens zählten internationale Turniere, die seit 1960 regelmäßig in der städtischen Turnhalle an der Burgstraße veranstaltet wurden. Die Zuschauer bekamen spielstarke Mannschaften aus dem norddeutschen Raum und benachbarter Ländern zu sehen. So sicherte sich beispielsweise Agon Amsterdam den ersten Wanderpokal vor EB „SISU“ Kopenhagen. Der Gastgeber gewann bei diesen Turnieren oftmals nur an Erfahrung. Mitte der 60er-Jahre sicherten sie sich beim internationalen Juniorenturnier den Wanderpokal gegen „Treffers“ Enschede.
In den Jahren 1963 bis 1966 war die Basketballabteilung aktiver denn je. Der Herrenmannschaft gelang der Aufstieg in die Landesliga. Daneben wuchsen starke Nachwuchsteams heran. Seit 1966 wird auch Damen- und Mädchenbasketball gespielt. Aus einer der Jugendmannschaften gingen mehrere Junioren-Nationalspieler hervor. Die A-Jugend wurde 1967 Niedersächsischer Landesmeister und Norddeutscher „Vize“. Im Jahr 1969 gelang der Schulmannschaft des AGQ, die fast ausschließlich aus QTSVern bestand, der Sprung zur Deutschen Meisterschaft. Dort musste sie sich nur dem späteren Champion (Max-Planck-Gymnasium Dortmund mit Ausnahmespieler Norbert Thimm) geschlagen geben und wurde Dritter.
Die 70-Jahre: Von der Verbandsliga in die 2. Bundesliga
Die 1. Herrenmannschaft kämpfte sich aus der Verbandsliga West 1972 mit dem jugoslawischen Trainer Dusan Kostov in die Oberliga und holte sich zwei Jahre später den Landestitel. Nach dem Aufstiegsturnier in Northeim stießen die Basketballer souverän in die 1. Regionalliga Nord vor. Einige der Fans um den Holländer Jan Krikken übernachteten in Northeim im bitterkalten April – es fielen sogar noch Schneeflocken – vor der Halle in Zelten! Verstärkt durch den unvergessenen US-Amerikaner John Anderson starteten die QTSVer in der Regionalliga einen Höhenflug und sicherten sich nach einem nervenaufreibenden Endspurt mit Ex-Nationalspieler Helmut Uhlig als Coach Platz 3 und den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Drei Jahre lang hielt sich der Kleinstadtverein in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Fast nur mit „echten“ Quakenbrückern wie Günter Kollmann, Wolfgang Lampe, Bernd Middendorf, Rüdiger Schleid, Herbert Seeliger oder Uwe Weyerbrock angetreten, ärgerte der QTSV als David so manchen Goliath aus den Metropolen. Schon die erste Saison hatte es in sich: Mit 0:14 Punkten gestartet, kam durch den Sieg über NSF Berlin die Wende. Der QTSV legte mit John Anderson die zweitbeste Rückserie aller Klubs hin, bezwang sogar den Top-Favoriten Hamburger TB, der den „heißen Atem“ der Drachen-Vorgänger längst im Nacken spürte. Mit Joachim Linnemann als einem der ersten Deutschamerikaner überhaupt war der QTSV Vorreiter für die Bundesliga.
Einer der Höhepunkte dieser Ära war auch der Kampf um den Einzug ins Achtelfinale des DBB-Pokals gegen Bayer Leverkusen. Der Abonnementmeister hatte nach eigenem Bekunden Schwierigkeiten, auf der Landkarte den Austragungsort Essen/Oldb. zu finden, wo die QTSVer mangels vorschriftsmäßiger eigener Halle auflaufen mussten. Freundschaftsspiele gegen die Nationalmannschaften des Sudan oder der CSSR folgten. Mehr als 500 Zuschauer erlebten einen Herzschlagsieg über den Lokalrivalen BG VfL/OSC Osnabrück. US-Center Clint Chapman kam aus der 1. Bundesliga für John Anderson, als Spielertrainer fungierte Gerd Güldenpfennig. In der vorerst letzten Zweitligasaison 1977/78 hätte der QTSV – inzwischen ausschließlich mit Amateuren besetzt – fast noch den Klassenerhalt geschafft, aber das entscheidende Relegationsspiel in Dortmund wurde knapp verloren.
Die 80er-Jahre: Erfolglose Zeit endet mit Landesliga-Titel
So kometenhaft, wie der Neuling einst aufgestiegen war, ging es nach dem unglücklichen Abstieg 1978 auch wieder talwärts. In den Punktspielen gab es wenig Erfolge, dafür sorgte Martin Lampe abseits des Parketts mit dem „Abend für Afrika“ für einen Höhepunkt der Saison.1500 Zuschauer feuerten die QTSVer an beim Spiel gegen BC Giants Osnabrück in der neu erbauten Artandhalle. Erst mit Rüdiger Schleid als Spielertrainer endete 1984 die erfolglose Zeit. Leider flog „Ütze“ kurz vor der Beinahe-Meisterschaft in der Landesliga zum polizeilichen Einsatz als Leibwächter des deutschen Botschafters in den Krisenherd Beirut. Im Jahr darauf glückte mit Spitzenspieler Wojtek Zdrodowski aus Polen – heute längst deutscher Staatsbürger – und Coach Eckhard Meyer (vom Meister VfL Osnabrück) der Titelgewinn in der Landesliga. 1985 holte Quakenbrück in Wolfenbüttel den Niedersächsischen Pokal.
Auch ohne ständig im Rampenlicht zu stehen, erzielten die Basketballdamen einige Erfolge. Sie holten 1985 und 1986 den Niedersächsischen Pokal, waren 1986 außerdem Landesmeister.
Die 90er-Jahre: Der Aufstieg in die BBL rückt näher
Das anschließende Auf und Ab war nichts für schwache Nerven: Vier Jahre Oberliga, 1990 Abstieg in die Landesliga, 1992 wieder hinauf in die 2. Regionalliga, 1993 erneut in die Oberliga. Günter Kramer hatte als Sparten-Chef längst die Nachfolge von Bernd Middendorf und Edgar Toepfer angetreten. Der Abteilungsleiter hielt eisern durch, und tatsächlich kamen wieder bessere Zeiten. Seine Jungs gewannen 1994 mit Erfolgstrainer Zdrodowski und dem russischen WM-Teilnehmer Alexander Khartchenkov das Aufstiegsturnier zur 2. Regionalliga in Quakenbrück mit Siegen gegen DTV Charlottenburg (80:73) und Fiko Rostock (103:53).
Auch die weibliche A-Jugend war erfolgreich. Sie wurde 1989, 1991 und 2000 niedersächsischer Vizemeister, ebenso die D-Jugend 1989 und die B-Jugend 1999. Lohn der konstanten und intensiven Aufbauarbeit: Die erfolgreichen Damen stiegen 1995 in die 1. Regionalliga auf, der sie mit Trainer Werner Reihs schon Jahre zuvor angehört hatten.
Jetzt knüpfte auch die 1. Herrenmannschaft an die Erfolge früherer Jahre an: 1995 kam der Aufstieg in die 1. Regionalliga, außerdem holten sie mit einem 104:88 gegen Lokalrivalen TSG Westerstede den Niedersächsischen Pokal. 1996 folgte dann endlich der ersehnte Aufstieg in die 2. Bundesliga. Zum Kader gehörten die Quakenbrücker Jürgen Kirk, Jan Meister, Michael Solga, Guido Thöle sowie Rückkehrer Marcus Preemann, der beim BC Giants und in Oldenburg erstklassig gespielt hatte. Die Zugänge Hendrik Wellmann, Markus Leuchten, Björn Marquardt und Holger Thamm, aber auch schon Profis wie Sympathieträger Uli Knost aus Bramsche und Ex-Nationalspieler Sven Meyer waren dabei. Natürlich gehörte auch der US-Amerikaner Christopher „Chris“ Fleming da schon zum Team.
In den Jahren zwischen 1996 und 2000 berichteten Lokal- und Sportpresse fast täglich von den wechselnden Erfolgen der „Artland Dragons“, wie die Quakenbrücker Korbjäger sich jetzt nannten. Im ersten Anlauf war der Klassenerhalt – ähnlich wie Mitte der 70er-Jahre – zunächst nur mühsam zu schaffen. Es folgte von Jahr zu Jahr eine kontinuierliche Steigerung, mit der Fans und Sponsoren zufrieden sein konnten. Zuschauer überfüllten die Ränge bei der Bundesliga-Aufstiegsrunde 1997/98 gegen Brandt Hagen, MTV Gießen, USC Heidelberg, TV Langen und BC Johanneum. Platz vier nach der Hauptrunde 1998, Platz drei 1999 hinter BCJ Hamburg und SSV Weißenfels, aber noch vor TuS Lichterfelde, Oldenburg, Göttingen und Hannover – die Begeisterung war grenzenlos, ein eigener Fan-Klub wurde geboren. Namen wie Fleming, Gacaev, Woltmann sowie Horrocks, Kamenjasevic und Lanes bürgten für Qualität oder zumindest für Originalität.
Trainer Toni Bevanda, der den engagierten Brian Muldowney abgelöst hatte, schien mit dem Team nach den Sternen zu greifen, denn im DBB-Pokal gelang ein sensationeller 65:63-Erfolg über den Erstliga-Vierten TV Tatami Rhöndorf. Wenige Wochen später wäre die Basketballwelt fast noch einmal aus den Angeln gehoben worden: Im Hexenkessel der Artlandhalle musste auch der nächste Cup-Gegner TSK Würzburg mit dem designierten NBA-Star Dirk Nowitzki fast dran glauben. Jan Sprünken, Johnny Griffin & Co. wuchsen in dieser Partie über sich selbst hinaus. Nowitzki, der eigentlich schon bei den Dallas Mavericks verpflichtet war und sich nur aufgrund eines NBA-Spielerstreiks in der deutschen BBL fit hielt, rettete schließlich mit seinen 33 Punkten den hauchdünnen 77:74-Erfolg der Würzburger.
Die „Zweite“ hatte sich derweil mit Spielertrainer Zdrodowski und einer ehrgeizigen Mischung aus Routiniers wie Eckhard Potratz, Jan Meister, Christian Thoms und Volker Trunt, aber auch Youngstern wie Dirk Buchholz, Lutz Fischer oder Jens Tepe gemausert, stieg innerhalb weniger Jahre über Bezirksliga und Bezirks-Oberliga in die Oberliga auf. Die Oldies (mit einem Durchschnittsalter von fast 40 Jahren) erkämpften 1995 Platz 5 bei der Senioren-Meisterschft II in Hagen, die „Dritte“ wirbelte zeitweise in der Kreisliga, die „Fünfte“ in den Landkreisen Osnabrück und Emsland – nachdrängende Jugendlichen fanden diverse Angebote, der Unterbau für die 1. Herrenmannschaft war gut aufgestellt.
Wie schwer der Sprung in das Oberhaus des deutschen Basketballs trotz solcher Cracks wie David Picton oder Nils Becker sein kann, zeigte sich nicht nur nach dem dritten Platz (1999/2000) hinter Oldenburg und Rhöndorf in der vom OTB und TuS Lichterfelde dominierten anschließenden Aufstiegsrunde.
21. Jahrhundert: Endlich im Oberhaus angekommen
Insbesondere in der bisher spannendsten Saison 2000/2001 standen Headcoach Chris Fleming und Co-Trainer Ritz Ingram dicht vor dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Fast 2000 Zuschauer in der Sporthalle Artland und 400 per Videoleinwand im Zelt verfolgten das Finale zwischen Quakenbrück und Rhöndorf, das die Gäste in einem wahren Krimi nach zwei Verlängerungen glücklich mit 100:97 gewannen. US-Star Washington wurde von Götz Rohdewald lange beherrscht, war aber schließlich effektiver als Townsend Orr auf der Gegenseite. Die Drachen unternahmen in der nächsten Saison einen glücklosen Versuch, sich vor dem starken Erstligaabsteiger BCJ Hamburg zu platzieren.
Danach rüsteten die Artland Dragons noch einmal auf. Mit der Option auf eine 3000-Plätze-Arena wurde ein neuer Angriff auf die erste Liga gestartet. Die weitere Erfolgsstory der Zweitligasaison 2002/2003 ist schon oft beschrieben worden: 30 Spiele, 30 Siege, Bundesligist EnBW Ludwigsburg im Pokal geschlagen und gegen Bundesligist ReinEnergie Köln nur knapp verloren, souveräner Aufstieg in die 1. Bundesliga – die „Artland Dragons“ schrieben Basketballgeschichte, noch bevor sie das Oberhaus erreichten. Der neu verpflichtete Manager Marko Beens, Head-Coach Chris Fleming und Co-Trainer Ritz Ingram machten zusammen mit dem „Dream-Team“ (Michael Jordan, Johnny McNeil, Konstantinos Stavropoulos, Mislav Ucovic, Jamie Duncan, Arne Woltmann, Ingo Freyer, Refiloe Lethunya, Daniel Strauch und Demekssa Duresso) einen Traum wahr. Und: Zum Kader gehörten mit Steffen Müller und Alexander Schwarz auch zwei Quakenbrücker Talente.
Saison 2003/2004: Aufsteiger mischt BBL auf
Endlich im Basketball-Oberhaus angekommen, setzten die Dragons dort ihre Erfolgsstoy fort. Das Team von Trainer-Duo Fleming und Ingram wurde durch den US-Amerikaner A.J. Granger, den „Oldenburger“ Jens-Uwe Gordon und den Griechen Sotirios Karapostolou verstärkt. Zwar starteten die Dragons mit einer 74:75-Niederlage in Hagen, das Ergebnis wurde aber wegen des Hagener Bankrotts elf Spieltage später gestrichen. Bei der Heimpremiere gegen Gießen, wussten die Drachen worauf es ankam. Mit 27 Punkten schickte das Team um Michael Jordan die Hessen nach Hause. 3000 Zuschauer in der ausverkauften Artland Arena waren begeistert. Einer Niederlage gegen den Meister aus Berlin folgte ein Heimsieg gegen RheinEnergie Köln. Für das Starensemble war es die fünfte Niederlage in Folge, Trainer Stephan Baeck wurde entlassen. Unvergessen bleiben auch die Siege zu Hause gegen Bonn (79:69) sowie auswärts gegen Leverkusen (99:88) und Bamberg (78:75), als Sotirios Karapostolou kurz vor Schluss das Spiel mit einem Dreier entschied.
Sechs Spieltage vor dem Ende der Rückrunde fanden sich die Dragons auf einem Playoff-Rang wieder, die Sensation schien greifbar. Obwohl gegen Karlsruhe, Bonn und den späteren Meister Frankfurt Niederlagen folgten, hatten die Dragons auch am letzten Spieltag noch die Chance auf Platz acht. Michael Jordan und Co. Erfüllten ihre Pflicht und siegten gegen Braunschweig, doch auch die beiden Mitkonkurrenten um die Playoff-Plätze, Köln und Leverkusen, gewannen. Natürlich war die Enttäuschung bei den Fans nach dem unglücklichen Abschneiden groß, doch am Ende überwog der Stolz über die erste Bundesliga-Saison. Das Ziel war schließlich der Klassenerhalt, um den sich niemand ernsthaft Sorgen gemacht hatte.
Saison 2004/2005: Artland Dragons schreiben Erfolgsgeschichte weiter
Und plötzlich ist es ganz leise in der Quakenbrücker Artland Arena. Gerade hat der Frankfurter Aufbauspieler Tyrone Ellis einen Dreier zum 62:65 gegen die Artland Dragons verwandelt. Noch 40 Sekunden zeigt die Anzeigetafel in diesem vierten Playoff-Spiel zwischen dem deutschen Meister Opel Skyliners Frankfurt und dem Außenseiter aus Quakenbrück. Die Frankfurter haben Ballbesitz, die Saison scheint für die Mannschaft von Dragons-Headcoach Chris Fleming beendet.
Es war der Höhepunkt der Saison. Zum ersten Mal zogen die „Drachen“ 2005 in der langjährigen Quakenbrücker Basketballgeschichte in die Playoffs der Basketball Bundesliga (BBL) ein. Und das nach einer Saison, die durchwachsen begann und so gar nicht die hohen Erwartungen befriedigen konnte. Als Aufsteiger hatten die Spieler um Kapitän Michael Jordan im Jahr davor nur knapp die Playoffs verpasst. „Wir wollen in der Mitte der Tabelle landen“, gab Dragons-Geschäftsführer Marko Beens das Ziel vor. Die Mitte: Bei 16 Mannschaften bedeutet das Platz acht oder neun.
Einen Start nach Maß legten die Artland Dragons im ersten Spiel der Saison bei BS|Energy Braunschweig hin: 91-72. Nach dem vierten Saisonspiel wies die Tabelle zwei Siege und zwei Niederlagen für die Dragons auf. Aber mit GHP Bamberg und RheinEnergie Köln stellten sich den „Drachen“ dann zwei echte Spitzenmannschaften (Vizemeister und Pokalsieger) in den Weg. Aus 4:4 Punkten wurden ganz schnell 4:8 Punkte. Wie stark die Mannschaft aus Quakenbrück wirklich ist, zeigten allen voran der beste Drei-Punkte-Schütze der Liga, Marko Bulic, und seine Kameraden in den Wochen bis Weihnachten. Vier deutliche Siege in der BBL und der Einzug ins Pokalachtelfinale ließen die Fans jubeln.
Diese stellten auch in diesem Jahr wieder einen Rekord auf: Alle Heimspiele der Basketballer in der Artland Arena waren restlos ausverkauft. Oft dauerte es nicht einmal 20 Minuten, da waren keine Karten mehr zu haben. Einige Fans campierten sogar schon morgens früh vor den Vorverkaufsstellen, um sich Tickets zu sichern. Für Co-Trainer Ralf Rehberger, vor dieser Saison zu den Dragons gewechselt, sind die Quakenbrücker Fans etwas ganz besonderes: „Beim ersten Spiel wusste ich ja nicht, was mich erwartet. Natürlich: Es wird dunkel, die Fans klatschen, die Spieler laufen ein – das alles habe ich ja schon so oft erlebt“, erklärt Rehberger. „Aber als ich zum ersten Mal gesehen habe, wie die Cheerleader in die Arena kommen, dann Tobi der Drache seinen Salto macht und plötzlich toben die Fans – da läuft einem ein kalter Schauer den Rücken runter.“
In das neue Jahr startet das Fleming-Team mit einer knappen Niederlage gegen ALBA Berlin, das Spiel endet mit einer Auseinandersetzung zwischen dem Berliner Trainer Emir Mutapcic, dem ALBA-Manager Henning Harnisch und Fleming, weil sich die Dragons vom Schiedsrichter ungerecht behandelt fühlen. Die BBL verhängt anschließend Geld-Strafen gegen alle drei Beteiligten.
Sportlich gibt es bei den Quakenbrückern immer wieder Rückschläge. Vor allem die Verletzung von Topscorer Marko Bulic und mehrere Angeschlagene machen es den beiden Trainer Fleming und Rehberger schwer, konstante Leistungen aus dem Team herauszuholen. Ohne Center Darius Hall und dem Kroaten Bulic empfangen die Artland Dragons den Vizemeister GHP Bamberg mit Bundestrainer Dirk Bauermann. Doch der Teamgeist und die fantastischen Fans in Quakenbrück bescheren den Dragons einen überraschenden 94:72-Sieg. Eine Woche später legt eine Grippe-Welle die ganze Mannschaft flach. Weil RheinEnerige Köln einer Spielverlegung nicht zustimmt, müssen die Dragons mit den noch vier gesunden Spielern Arne Woltmann, Igor Jokic, Hrvoje Puljko und Jan Rohdewald nach Köln reisen. Das Spiel findet nicht statt und wird 1:0 für Köln gewertet.
Sechs Spieltage vor Schluss haben die „Drachen“ dann die Möglichkeit in Karlsruhe gegen den direkten Playoff-Konkurrenten vorzeitig den Einzug in die Runde der letzten Acht klar zu machen. Doch das Team zeigt Nerven, verliert knapp mit 77:79. Nach dem 28. Spieltag ist es dann endlich soweit: Nach der Niederlage von Ludwigsburg gegen Gießen können die Dragons nicht mehr aus den Playoff-Rängen verdrängt werden. Beflügelt von der Sicherheit gelingt den Dragons auch der erste Sieg gegen Serienmeister ALBA Berlin.
Die Tabellen-Konstellation beschert den Artland Dragons, die Fünfter werden, den deutschen Meister Frankfurt (Vierter) als Playoff-Gegner. „Das ist die Mannschaft, die uns am wenigsten liegt“, sagt Fleming. Und das einzige Team, gegen das die Dragons in der regulären Saison nicht gewinnen konnten. Unerwartet schwer tut sich der Favorit im ersten Spiel in Frankfurt, macht den Sieg erst in der Schlussphase klar. Das zweite Spiel in Quakenbrück gewinnen die Drachen und auch im dritten Spiel in Frankfurt sind sie einem Sieg ganz nah, doch Frankfurt spielt in der Schlussphase seine ganze Routine aus.
Toll gekämpft, und dann in der Artland Arena, im vierten Spiel, 40 Sekunden vor Schluss, das endgültige Aus durch Tyrone Ellis? Ohne die Quakenbrücker Fans. „DEFENSE, DEFENSE!“, tönt es von den Rängen in einer Lautstärke, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Es hilft. Marko Bulic holt sich den Ball von Tyrone Ellis, dribbelt an die Drei-Punkte-Linie und wirft. Die 3000 Fans halten den Atem an. Der Schiedsrichter streckt die eine Hand mit drei erhobenen Fingern nach oben, die zweite folgt – der Ausgleich, Verlängerung! Das Spiel bleibt hart umkämpft, aber die Dragons holen den Sieg und erzwingen ein fünftes Spiel gegen den deutschen Meister.
800 Fans begleiten ihr Team nach Hessen und werden Zeuge, wie den Quakenbrückern die Kräfte schwinden. Die Niederlage fällt deutlich aus, die Saison ist beendet. „Ich ärgere mich über das dritte Spiel, das hätten wir gewinnen müssen“, sagt Chris Fleming auch zwei Tage nach dem Aus noch. Doch wer hätte vor der Saison gedacht, dass die Dragons den deutschen Meister zu fünf Spielen im Playoff-Viertelfinale zwingen? Dadurch hat sich der Basketball-Club aus der 13.000-Einwohner-Stadt endgültig Respekt verschafft in der BBL. „Ich weiß nicht viel über Quakenbrück, aber ich weiß, dass sie eine sehr gute Basketball-Mannschaft haben“, sagt Frankfurts Trainer Murat Didin. „Und fantastische Fans.“ Und die werden die Artland Dragons auch in der kommenden Saison verzücken.
Saison 2005/2006 – Ein Wechselbad der Gefühle
8. April 2006 – Freudestrahlend und feuchtfröhlich feiern die Artland Dragons nach dem letzten Heimspiel der Hauptrunde auf der Saisonparty mit ihren Fans die bislang turbulenteste, aber auch erfolgreichste Spielzeit der Quakenbrücker Basketballer in der Basketball Bundesliga. Zurecht! Denn wer hätte gedacht, dass sich die Dragons nach dem schwächsten Saisonstart in der Bundesliga und diversen Zwischentiefs erneut für die Play-off-Runde um die deutsche Meisterschaft und darüber hinaus erstmals für das Top Four-Turnier qualifizieren?
Dabei startete die dritte Bundesliga-Spielzeit der Fleming-Truppe im Oktober 2005 gleich mit einem Paukenschlag: Nach guter Vorbereitung mit glanzvollen Testspielsiegen über Groningen und Besiktas Istanbul wartete mit Serienmeister Alba Berlin gleich am ersten Spieltag der Meisterschafts-Topfavorit auf die Burgmannstädter. In Erinnerung bleibt jedoch weniger die nur knappe 80:89-Niederlage. Nach internen Disziplin-Verstößen suspendierten die Artland Dragons Spielmacher Michael Jordan und lösten kurz darauf in beidseitigem Einverständnis den Vertrag mit Jordan auf.
Ohne etatmäßigen Aufbauspieler verloren die Dragons zunächst ihre ersten beiden Spiele, schienen sich aber nach den Siegen gegen Karlsruhe und Köln gefangen zu haben. Die Dragons-Niederlage vor heimischem Publikum am achten Spieltag gegen den TBB Trier besiegelte jedoch den schwächsten Saisonstart der Dragons aller Zeiten, denn mit nur zwei Siegen aus acht Spielen lag der kleinste Bundesliga-Standort deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Doch die Dragons-Führung setzte ein Zeichen und stärkte mit der Vertragsverlängerung bis 2008 ihrem Cheftrainer Chris Fleming den Rücken. Das Vertrauen zahlte sich aus: Es folgte ein grandioser Verlängerungs-Sieg bei den Telekom Baskets Bonn, zugleich Start einer langen Siegesserie. Acht der neun anstehenden Bundesliga-Partien entschieden die Dragons mit ihrem neuen Spielmacher Filiberto Rivera für sich, darunter auch ein deutlicher Erfolg beim deutschen Meister GHP Bamberg, dem Darius Hall & Co. beim 89:75 die erste Heimspielniederlage seit langem zufügten.
Die Integration der zwischenzeitlich nachverpflichteten „Luftwaffe“ Tommy Lee Smith verlief schneller als erhofft und mit spektakulären Dunks und Blöcken spielte sich die Nummer 20 in die Herzen der Fans. Als umso schmerzhafter entpuppte sich Smith’ komplizierte Handverletzung, die den schlaksigen US-Amerikaner sechs Wochen außer Gefecht setzte. Allgemein war es um die Gesundheit der Dragons oftmals kritisch bestellt: Flügelspieler Tory Walker schleppte über die gesamte Spielzeit diverse Verletzungen mit sich herum und war dadurch nur selten in der Lage sein großes Potential zu nutzen. Auch Leistungsträger wie Dragons-Allstar Bryan Bailey und Allrounder Chad Prewitt standen den Trainern mit starken Handicaps lange Zeit nicht zur Verfügung.
Nach der Vertragsauflösung mit Barisa Krasic, der nicht die erhoffte Verstärkung gebracht hatte, fehlte den Dragons nun zusätzlich eine Alternative, was sich besonders in einem kleinen Zwischentief mit vier Niederlagen in Folge bemerkbar machte. Doch erneut rissen sich die Dragons zusammen und führten mit einem Auswärtssieg die Trendwende herbei: Mit dem 83:72-Pokalsieg bei der BG Karlsruhe beendeten die Quakenbrücker nicht nur eine kleine Niederlagen-Serie, sondern qualifizierten sich sogar für das Pokal-Viertelfinale, in dem sie sich mit dem Bezirksrivalen EWE Baskets Oldenburg messen sollten. Nach dem heimischen Ligaerfolg über die Oldenburger besiegten die Dragons den Nachbarn nach einer grandiosen Energieleistung auch im Pokal und qualifizierten sich mit dem 77:73-Erfolg in der Artland Arena erstmalig für das Top Four-Turnier. Dieser historische Sieg und der starke Endspurt in der Liga mit fünf abschließenden Siegen, darunter erneut ein berauschender Sieg über den deutschen Meister aus Bamberg, ließen auch die empfindliche 91:98-Niederlage gegen den direkten Play-off-Konkurrenten aus Bonn vergessen.
Das Team der Artland Dragons bedankte sich nach der Hauptrunde mit einer großen Saisonparty bei ihren Fans für deren schier unendlich großen Unterstützungskraft – auch und vor allem während der schwächeren Spiele. Einmal mehr stieß die Begeisterung der Anhänger in neue Dimensionen vor: Mehrere Hundertschaften Fans begleiteten ihr Team beispielsweise nach Köln zum Aufeinandertreffen mit Ex-Drache Michael Jordan und fast schon standardmäßig reisten nahezu 800 Fans zu den Auswärtsspielen nach Oldenburg und nach Bremerhaven.
Nach einer guten Vorstellung beim Top Four-Turnier in Bamberg, wo es nach zwei unglücklichen Niederlagen gegen Gastgeber Bamberg und den Giessen 46ers „nur“ zum vierten Platz reichte, wollten es die Mannen des Trainergespanns Fleming/Rehberger in der Viertelfinal-Serie gegen die Eisbären Bremerhaven besser machen. Es sollte die packendste Serie aller Viertelfinals werden. Die Dragons gewannen ihre beiden Heimspiele souverän und erzwangen bei den ebenfalls in eigener Halle erfolgreichen Eisbären ein entscheidendes fünftes Spiel. Dass es dort trotz starker Leistung beim 61:64 am Ende nicht ganz zum Sieg reichte und die Dragons erneut den Einzug ins Halbfinale verpassten, sorgte bei Spielern und Fans zunächst für große Enttäuschung.
Wer jedoch rückblickend auf die gesamte Saison blickt, kann mit Fug und Recht stolz auf die Artland Dragons 2005/2006 sein: Ein Team, das sich nach allen personellen Turbulenzen und trotz Verletzungspech sportlich gefangen hat und mit ihrer Dynamik und Athletik regelmäßig 3000 Dragons-Fans in der Artland Arena mit spektakulären Szenen verzückte. Dass darüber hinaus mit der Qualifikation zum Top Four und dem erneuten Einzug in die Play-offs auch der Erfolg nicht zu kurz kam, spricht für eine gelungene Spielzeit.
Und so feierten die Fans mit „ihren“ Spielern an eben jenem 8. April bis tief in die Nacht. Als wüssten sie bereits, dass die Spielzeit 2005/2006 eine ganz besondere und unvergessliche Saison sein würde!
Saison 2006/2007 – Ein Lazarett auf Höhenflug
„Jungs, ich habe ein gutes Gefühl, dass wir in dieser Saison etwas Großes erreichen werden.“ Als hätte Dragons-Geschäftsführer Marko Beens bereits eine Vorahnung gehabt, sprach er diese Worte im August 2006 zum Abschluss des allerersten Mannschaftstreffens zu den neuen und alten Drachen. Sechs verbliebene und vier neue Spieler begrüßte Dragons-Headcoach Chris Fleming zum Trainingsauftakt der Saison 2006/2007 und gab damit den Startschuss zur bislang erfolgreichsten Spielzeit der Artland Dragons.
Nach den ersten Trainingswochen und dem Trainingslager in Rotenburg/Fulda deutete sich an, wie gut dem Drachendompteur Fleming es gelungen ist, die sechs Abgänge (darunter Publikumsliebling Marko Bulic) zu kompensieren und dem neuen Team einen sympathischen und erfolgshungrigen Geist einzuhauchen. Und so sehr die ersten Wochen von positiven Eindrücken geprägt waren, um so ärger traf es die Quakenbrücker Basketballer in den letzten Wochen der Saisonvorbereitung: Nachdem sich Bryan Bailey in einem Testspiel das Innenband im Knie riss, brach sich Neuzugang Lamont McIntosh seinen linken Mittelfuß und auch Routinier Jan Rohdewald verpasste nach der Diagnose eines schweren Infekts mit Herzbeteiligung den Saisonstart.
Allen Umständen zu trotz gelang dieser dennoch ganz passabel und die Fleming-Truppe gewann die ersten drei Spiele. Der nachverpflichtete Sean Dockery fügte sich mit seiner Kämpfernatur nahtlos ins Mannschaftsgefüge ein, welches auch nach drei folgenden Niederlagen nicht auseinander zu fallen drohte. Angeführt vom Neuzugang und Topscorer Adam Hess, der monatelang unangefochten die Korbjägerliste der Liga anführte, gewannen die Quakenbrücker Profi-Basketballer sechs der ersten neun Spiele und standen in der Tabelle unter den vier besten Mannschaften.
Im ersten Fernsehspiel der Saison gab es jedoch eine derbe Klatsche gegen die Bremerhavener (62:94) und auch die Heimniederlage gegen ALBA Berlin nagte an den Gemütern der Dragons-Akteure, zumal mit Brian Thornton in der Zwischenzeit ein weiterer wichtiger Spieler mit einem Knie-Innenbandriß mehrere Monate ausfiel und der nachverpflichtete Julian Terrell leider nicht die Lücke unter dem Korb stopfen konnte. So war Mannschaftskapitän Darius Hall weitestgehend in Brettnähe auf sich allein gestellt, wusste aber den immer stärker werdenden Chad Prewitt neben sich, als die Dragons sich scheinbar fingen und die nächsten drei Siege in Serie erspielten – exklusive einem ungefährdeten Pokalerfolg beim Regionalligisten aus Stahnsdorf. Überhaupt gab es im Dezember viele Emotionen, als der gefeierte Sean Dockery aus dem Team ausschied, weil Lamont McIntosh sich zunächst gesund zurückmeldete, aber eine Woche später im Training erneut einen Mittelfußbruch erlitt, diesmal rechts. Und so konnte Cheftrainer Fleming erneut nicht mit seiner angedachten Formation auftreten und musste umplanen.
Der zum Jahreswechsel nachverpflichtete Scharfschütze David Jackson verhinderte es jedoch auch nicht, dass die Dragons auswärts gleich zwei Mal arg patzten: Mit unerwartet hohen Pleiten bei den Aufsteigern aus Ulm und Paderborn schien den verletzungsgeplagten Quakenbrückern die Pause des All Star-Days gerade recht. Dort wären in der Kölnarena zum ersten Mal drei Dragons-Akteure vertreten gewesen, doch BBL-Topscorer Adam Hess und der im Dunking-Contest nominierte Tommy Smith mussten verletzungsbedingt absagen, sodass Center Darius Hall in der Starting Five der Nordauswahl der einzige Drache war.
Dass auf Niederschläge bekanntlich Höhepunkte folgen, bewiesen die Artland Dragons in den darauf folgenden Wochen, als sie gegen Nürnberg deutlich und in Bamberg knapp siegten. Den Sieg bei den starken Oberfranken, die sich zwischenzeitlich die Dienste Dockery's sicherten, bezahlte der Trainerstab um Chris Fleming und Ralf Rehberger jedoch teuer, da der bislang wertvollste Spieler der Südniedersachsen Chad Prewitt mit einem Innenbandriß im Knie die nächsten drei Monate ausschied. Zwar zogen die Artländer durch einen Sieg beim Zweitligisten Chemnitz souverän ins Viertelfinale des BBL-Pokals ein, doch in der Liga setzte es ernüchternde Niederlagen gegen Ludwigsburg, Braunschweig und Leverkusen.
Nach und nach meldeten sich die Verletzten aus dem Lazarett zurück, doch die Vorbereitung schien von Woche zu Woche von Neuem zu beginnen. Mit dem Sieg im Pokal beim Ligakonkurrenten Paderborn Baskets erreichten Darius Hall & Co. zwar mit der Qualifikation zum TOP FOUR ein Zwischenziel, doch nach den vier darauf folgenden Niederlagen in der BBL rutschten die Dragons erstmals aus den Play-off-Rängen. „Vier Siege aus den letzten fünf Spielen“ gab Headcoach Fleming in seiner siebten Saison als Cheftrainer als Marschroute vor. Und tatsächlich rauften sich die Drachen noch einmal für den Schlussspurt zusammen, gewannen die Spiele gegen Trier, Frankfurt, Köln und Ulm und qualifizierten sich kurz vor dem K.O. doch noch für die Runde der besten Acht.
Fast „nebenbei“ besiegten die Artländer im TOP FOUR-Halbfinale Nord-Konkurrent Bremerhaven in einem Herzschlagfinale und hätten es fast auch im Pokalfinale gegen Köln zum großen Coup geschafft, doch das Verletzungspech, dass sich wie ein roter Faden durch die gesamte Spielzeit zog, schlug im Finale diesmal bei Kapitän Darius Hall zu und der Pokalerfolg wurde knapp verpasst (58:60).
Ende Mai begannen nun die Play-offs und Drachendompteur Fleming wunderte sich einstweilen, dass zum Start der Bestenrunde alle seine Spieler gesund waren. „Ein ganz neues Gefühl für uns,“ meinte der „eingebürgerte“ Quakenbrücker Trainer lakonisch, nachdem seine Mannschaft im Play-off-Viertelfinale Geschichte schrieb und als Achtplatzierter das topgesetzte ALBA Berlin mit 3:0 aus dem Wettbewerb warf – das Quakenbrücker Sommermärchen begann. Euphorisch wurde das Team nach dem historischen Triumph - noch nie hatte ein Hauptrunden-Achter den Hauptrunden-Ersten geschlagen - mitten in der Nacht gefeiert. Auch jeder weitere Sieg im Halbfinale gegen den Meister und Pokalsieger Köln bedachte die Dragons-Fangemeinde mit langen Spontanpartys. Angespornt durch das neue „Wir-Gefühl“ innerhalb des Teams und der Stadt demontierten Bailey, McIntosh & Co. die favorisierten Kölner im entscheidenden fünften Spiel und zogen erstmals in der Vereinsgeschichte ins Finale um die deutsche Meisterschaft ein.
Diese Sensation rief nun bundesweit die Medien auf den Plan und die Berichterstattung über das BBL-Finale sprengte ungebremst den bis dahin bekannten Rahmen – „David gegen Goliath“ hieß es in den Zeitungen und Basketballdeutschland erlebte mit, wie der David aus Quakenbrück dem hochgehandelten Favoriten aus Bamberg im ersten Finalspiel den Heimvorteil klaute. Aber auch diesen Erfolg büßten die Quakenbrücker mit dem verletzungsbedingten Verlust ihres überragenden Spielmachers Filiberto Rivera ein. Ohne ihren etatmäßigen Dirigenten stemmten sich die verbliebenen Dragons gegen die starken Bamberger, ehe sie sich nach dem vierten Finalspiel vom großen Traum der Meisterschaft verabschieden mussten.
Die Dragons verloren vielleicht das Finale, aber gewannen viele Herzen im deutschen Basketball, was ein Fan der Telekom Baskets Bonn bewies, als er meinte „Heute sind wir alle ein bisschen Quakenbrück!“ Und so weilte die Enttäuschung bei den Spielern nur kurz, auch weil ihre Fans und eine ganze Region ihre Helden direkt nach dem Spiel und auf dem großen Empfang am eigens erbauten Rathausbalkon wieder aufbaute – ein versöhnlicher Abschluss einer sagenhaften Spielzeit, in der ganz nach der Prophezeiung des Geschäftsführers Marko Beens „Großes bewegt“ wurde.
Saison 2007/2008: Dragons entflammen Europa
„Artland!“ - „Dragons!“, „Artland!“ - „Dragons!“ schallen die Wechselgesänge von der Mannschaft mit den Fans vom Marktplatz aus durch ganz Quakenbrück. Rund 3000 Anhänger feiern einen ganz besonderen Erfolg: der ersten Titel für die Artland Dragons! Wenige Stunden zuvor hatte das Team von Dragons-Headcoach Chris Fleming mit einem 74:60-Sieg über EnBW Ludwigsburg in der Hamburger Color Line Arena das wahr gemacht, wovon viele langjährige Fans nur zu träumen gewagt hatten: Die Dragons sind deutscher Pokalsieger 2008. Und das, nachdem viele dachten, das Sommermärchen aus der vergangenen Saison mit Vizemeisterschaft und Vizepokalsieg sei nicht mehr zu steigern.
Auch im europäischen ULEB Cup sorgt der Außenseiter für Furore und bei den Fans für Gefühlswechsel im Wochentakt. Dem viel umjubelten ersten Sieg gegen den in Europa renommierten französischen Erstligisten Elan Béarnais Pau-Orthez (85:74) folgt die höchste Niederlage, die die Dragons seit dem BBL-Aufstieg hinnehmen mussten: In Sofia kommen Adam Chubb und Co. mit 65:109 unter die Räder. Doch schon vier Tage später zeigt das Team, das es an sich und sein Leistungsvermögen glaubt und erobert mit einem 73:69-Sieg gegen den deutschen Meister Brose Baskets Bamberg die Tabellenspitze. Die Euphorie dämpft der Trainer: „Am Ende der Saison wird abgerechnet. Mir wäre es lieber, im Juni dort oben zu stehen“, sagt Chris Fleming.
Ungehindert dieser Aussage setzen die Quakenbrücker Basketballer ihre Erfolgsserie in der Bundesliga fort. Die Hinrunde beenden die Spieler um die Kapitäne Darius Hall und Lamont McIntosh mit nur vier Niederlagen auf Platz zwei. Im ULEB Cup geht die Erfolgsgeschichte des Kleinstadt-Klubs weiter: Mit einem 71:69-Zittersieg ziehen die Dragons als letztes von 32 Teams in die nächste Runde des europäischen Wettbewerbs ein. Das nächste Highlight wartet schon: Anfang Februar reisen die „Drachen“ zum Spitzenspiel bei ALBA Berlin. Vor dem Spiel ist klar: Gewinnen die Dragons mit mindestens sieben Punkten Unterschied, holen sie sich den direkten Vergleich und die Tabellenführung zurück. 76:68 heißt das Ergebnis - die Dragons sind wieder Spitze! Drei Tage später lässt die Mannschaft ihre Fans beim Pokal-Derby bei den EWE Baskets Oldenburg wieder zittern. In der Verlängerung setzen sich die Dragons knapp mit 95:93 durch und ziehen ins BBL-Pokal-Viertelfinale ein.
Knapp drei Wochen später nehmen die Quakenbrücker Basketballer die schönste Niederlage der Vereinsgeschichte hin. Nach einem 80:82 beim russischen Favoriten Triumph Lyubertsy mit einer Galavorstellung von Dragons-Center Adam Chubb (30 Punkte, 8 Rebounds) zieht die Fleming-Truppe ins ULEB-Cup-Achtelfinale ein, weil sie das Hinspiel 81:75 gewann. Diesem Erfolg – die Dragons waren damit das einzige deutsche Team das noch international vertreten war – folgt eine Schwächphase mit vier Niederlage am Stück in der BBL, die die Quakenbrück die Tabellenführung kostet, aber von einem sensationellen Pokal-Triumph unterbrochen wird: Im Viertelfinale fegen McIntosh und Co. Bamberg 98:67 aus der Artland Arena. Es ist das erste Mal seit dem 19. Februar 2005, dass eine Mannschaft gegen die Verteidigungsspezialisten aus Bamberg in 40 Minuten mehr als 90 Punkte erzielt. Damals waren es auch die Dragons, die Bamberg 94 Punkte einschenkten.
Am vorletzten Spieltag der BBL-Hauptrunde haben die Jungs von Fleming noch die Chance, sich in der Tabelle weiter nach vorne zu arbeiten und treten als Tabellendritter bei den einen Sieg vor ihnen liegenden Leverkusenern an, die ihrerseits mit einem Sieg Tabellenführer ALBA vom Thron stoßen könnten. Nach dem Dragons-Sieg im Rheinland tauschen die beiden Kontrahenten die Plätze. Nach dem letzten Spieltag geht das Spitzentrio in der Reihenfolge ALBA Berlin, Artland Dragons, Bayer Giants Leverkusen in die Play-offs.
Dort zeigt sich, wie Recht Fleming mit seiner Aussage im November behalten sollte. Ausgelaugt von einer anstrengenden ULEB-Cup-Saison und nach dem Pokal-Erfolg nicht mehr hungrig genug, haben die Artland Dragons den Telekom Baskets Bonn nur im ersten Play-off-Viertelfinalspiel etwas entgegen zu setzen. Das zweite Spiel im Rheinland verlieren die „Drachen“ nach fulminanter Aufholjagd nur knapp. Im dritten Spiel reichen dem Bonner Aufbauspieler Miah Davis 4,7 Sekunden, um aus einem 76:75 ein 76:77 zu machen. Von dieser enttäuschenden Niederlage erholen sich die Dragons nicht mehr und müssen sich im vierten Spiel deutlich geschlagen geben.
Auch wenn die Saison damit anders endet als erwartet, weil die Dragons als einer der Favoriten in die Play-offs gegangen sind, können die Fans stolz auf die Mannschaft sein, die den ersten Titel der Vereinsgeschichte ins Artland geholt hat. Nach einem Empfang im Quakenbrücker Rathaus bedanken sich Lamont McIntosh, Darius Hall, Adam Chubb und Co. ausführlich von bei ihren Fans und verschenken Trikots, Schuhe und Trainingsklamotten auf dem Marktplatz. Bereit für einen Neuanfang...?
Saison 2008/2009: Aller (Neu-)Anfang ist schwer
Die Luft ist zum Zerreißen gespannt. Trotz des deutlichen 90:69-Sieges gegen die Deutsche Bank Skyliners ist bei den Artland Dragons niemandem zum Feiern zumute. Denn um doch noch in die Play-offs zu kommen, muss Göttingen in Paderborn gewinnen. 2:06 Minuten bis zur Schlusssirene, Göttingens Robert Kulawick trifft einen Dreier zum 65:65. 13 Sekunden vor Schluss ist das Spiel immer noch ausgeglichen 71:71. Paderborns Lavelle Felton trifft nur einen seiner zwei Freiwürfe und Göttingen bleiben noch 4 Sekunden, um das Spiel zu gewinnen. „Göttingen, Göttingen“-Sprechchöre schallen durch die Artland Arena, gut 2.000 Fans sind nach der Schlusssirene noch in der Halle geblieben, um das wichtige Duell am Live-Ticker zu verfolgen. Doch vergebens. John Little verliert den Ball, Paderborn gewinnt und zieht dank des gewonnenen direkten Vergleichs gegen die Dragons in die Play-offs ein.
Für schwache Nerven war der Endspurt der Artland Dragons nichts, ebenso wie die ganze Saison. Schon der Beginn der ersten Spielzeit unter dem neuen Headcoach Thorsten Leibenath stand unter keinem guten Stern: In ALBA Berlin wartete gleich zweimal der Top-Meisterschafts-Favorit auf die Quakenbrücker Basketballer, die sich erwartungsgemäß auch zweimal geschlagen geben mussten. Der klassische Fehlstart mit nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen (inklusive Champions Cup) wurde durch den „Goldenen Herbst“ wieder wett gemacht. Sieben der nächsten neun BBL-Partien gewannen die „Drachen“ und begeisterten ihr Publikum mit einem 87:78-Sieg über den italienischen Spitzenklub Fortitudo Bologna im EuroCup. Dass dem Prestige-Sieg gegen den Klub der Ex-Drachen Chris Fleming, Arne Woltmann, John Goldsberry, Filiberto Rivera und Michael Jordan, Brose Baskets Bamberg, eine längere Durststrecke folgen würde, ahnte da noch niemand.
Immer deutlicher wurde, dass Aufbauspieler Zack Whiting den Anforderungen von Dragons-Headcoach Thorsten Leibenath nicht gerecht werden konnte. Und auch der nach verpflichtete Will Blalock zeigte nur in wenigen Spielen sein eigentliches Können und musste ebenso wie Whiting noch vor Saisonende die Dragons wieder verlassen. Das Hin- und Her auf der Aufbauposition verunsicherte die Mannschaft. Die Folge war eine schwarze Serie, die im Dezember mit einer 66:75-Niederlage in Braunschweig begann und erst acht Spiele später mit einem 77:55-Sieg bei den Köln 99ers im Februar endete.
In der BBL pfui, in Europa hui – im EuroCup erreichten die Dragons trotz der Misere in der Bundesliga nach einem von sechs Dragons-Fans bejubelten 93:89-Sieg im Hexenkessel von Bologna die Zwischenrunde und zählten damit erneut zu den besten 16 Teams dieses europäischen Wettbewerbs. Dort bekamen die Quakenbrücker allerdings nicht nur vom späteren EuroCup-Sieger Lietuvos Rytas Vilnius um Leibenaths Ex-Spieler Chuck Eidson die Grenzen aufgezeigt. 64:105 kamen die stark dezimierten „Drachen“ in Litauen unter die Räder, hielten zu Hause beim 70:79 aber erstaunlich gut mit.
Zum Ende der Wechselfrist schlugen die Dragons dann noch einmal auf dem Transfermarkt zu und gaben die Verpflichtung von Ronald Ross und Toby Bailey bekannt. Zwölf Spiele blieben der Leibenath-Truppe noch, um sich vom 14. Tabellenplatz auf einen Play-off-Rang vorzuarbeiten. Nach dem umjubelten 71:66-Sieg gegen den Tabellenzweiten MEG Göttingen, folgte eine vermeidbare 69:72-Niederlage bei EnBW Ludwigsburg, nach der kaum noch einer darauf gesetzt hätte, dass die Dragons tatsächlich an die Play-off-Ränge herankommen. Doch Leibenath sollte mit seiner Einschätzung Recht behalten. Seine Mannschaft spielte sich in einen Siegesrausch, der jäh in Düsseldorf gestoppt wurde. Dennoch blieben die Dragons an Paderborn dran und hatten am letzten Spieltag noch die Chance, die Play-offs zu erreichen, mussten aber auf Göttinger Schützenhilfe hoffen.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fasste es treffend zusammen: Das letzte Saisonspiel in der Artland Arena hatte zwei Verlierer. Klar, die Frankfurter, aber auch die Dragons ließen die Köpfe hängen, Tränen flossen. Doch schon auf der Pressekonferenz gab sich Leibenath wieder kämpferisch: „Ich verspreche den Fans, dass wir in der Off-Season extrem hart arbeiten werden, um nächste Saison von Anfang an eine starke Mannschaft zu präsentieren.“ Nach sechs Spielzeiten in Folge – angefangen mit der Aufstiegssaison 2002/2003 –, in denen es immer bergauf ging, wirkt die Erfolgsserie zwar durchbrochen, aber „es ist normal, dass im Leben nicht immer alles glatt läuft“, sagt Dragons-Geschäftsführer Marko Beens. „Und den Erfolg weiß man noch mehr zu schätzen, wenn man auch einmal Rückschläge weggesteckt hat und spürt, dass er nicht selbstverständlich ist.“
Saison 2009/2010: Nicht für schwache Nerven
Wieder einmal nichts für schwache Nerven ist die Saison 2009/2010 der Artland Dragons gewesen. Als Tabellenneunter ging die Mannschaft von Dragons-Headcoach Thorsten Leibenath punktgleich mit den achtplatzierten Braunschweigern in den 34. Spieltag. Weil die Quakenbrücker „Drachen“ den direkten Vergleich gegen die Ostniedersachsen verloren hatten, mussten sie auf eine Braunschweiger Niederlage in Frankfurt hoffen und selber ihr Duell gegen die Eisbären Bremerhaven gewinnen, um in die Play-offs einzuziehen. Und tatsächlich: Frankfurt tat den Dragons den Gefallen und besiegte die Braunschweiger. Allerdings schaffte es die Leibenath-Truppe nicht, die guten Leistungen der Vorwochen (fünf Siege in sechs Spielen) wieder abzurufen und musste sich dem späteren Play-off-Halbfinalisten geschlagen geben.
Dabei hatte die Saison so gut angefangen: Zwei spannenden und knappen Auftaktsiegen gegen die BG Göttingen und bei den Telekom Baskets Bonn folgten souveräne Erfolge gegen EnBW Ludwigsburg und den Mitteldeutschen BC. Die erste Saisonniederlage gegen die New Yorker Phantoms Braunschweig sollte der Auftakt einer Auf-und-Ab-Serie mit einigen knappen und unglücklichen Niederlagen sein wie gegen TBB Trier (73:75), den deutschen Meister EWE Baskets Oldenburg (62:66), die Walter Tigers Tübingen (80:83), BG Göttingen (78:79) und den Mitteldeutschen BC (80:81).
Während in der Beko Basketball Bundesliga von November bis Februar neun Niederlagen nur vier Siege gegenüberstanden, zeigten die „Drachen“ auf europäischem Parkett ein ganz anderes Gesicht. In der EuroChallenge holte die Leibenath-Truppe gegen Tartu Rock (Estland) einen 20-Punkte-Rückstand auf und bog diesen sogar in einen souveränen 94:71-Sieg um. Das andere Gesicht kam bei der 60:66-Heimniederlage in der Beko BBL gegen Braunschweig wieder zum Vorschein, als die Quakenbrücker eine 19-Punkte-Führung hergaben. In der nächsten Beko BBL-Partie bei den Brose Baskets Bamberg sah es dann zur Halbzeit nach einer deutlichen Niederlage für die Dragons aus, doch das Team zeigte Kampfgeist, der allerdings nicht belohnt wurde. Das Spiel ging 80:82 verloren. Ende Februar folgte dann wieder ein Höhepunkt: Gegen die webmoebel Baskets Paderborn errungen die Dragons den höchsten Sieg in ihrer Bundesliga-Geschichte (96:57). Mit zwei Siegen gegen Belgrad (Serbien) und Lüttich (Belgien) wahrten sie auch die Chance auf den Einzug ins EuroChallenge-Viertelfinale.
Dennoch reagierte Leibenath auf die schwankenden Leistungen mit einer Nachverpflichtung. Aufbauspieler Hollis Price (ehemals ALBA Berlin) kam Mitte Februar ins Artland und bestritt beim 83:71-Sieg in Hagen sein Beko BBL-Debüt im Drachen-Dress. Beim Heimspiel gegen Trier rettete der Neuzugang seiner Mannschaft mit einem Dreier ein paar Sekunden vor der Schlusssirene den 76:73-Sieg. Anfang März endeten in Zagreb nach einer knappen 67:69-Niederlage die Europa-Träume der „Drachen“ und auch in der Beko BBL musste die Leibenath-Truppe nach drei Siegen in Folge in Frankfurt eine deutliche 65:77-Niederlage hinnehmen.
Mit starken Auftritten gegen Gießen, den deutschen Meister Oldenburg und bei ALBA Berlin hielten die Quakenbrücker Basketballer die Play-off-Hoffnungen dennoch am Leben. Auch die Fans zeigten bei der „Wake the Dragon“-Aktion, dass sie noch an die Mannschaft glaubten. Nach drei weiteren souveränen Siegen gegen Düsseldorf, Ulm und Tübingen kam es wie schon in der vergangenen Saison zum Showdown am letzten Spieltag. Um die Play-off-Qualifikation zu schaffen, mussten die Dragons in Bremen gegen die Eisbären Bremerhaven gewinnen und gleichzeitig auf eine Niederlage von Braunschweig in Frankfurt hoffen.
In Bremen wirkte die Leibenath-Truppe nicht mehr so frisch wie in den Spielen zuvor. Die aggressive Bremerhavener Verteidigung bereitete dem Team große Schwierigkeiten, so dass die „Drachen“ zur Halbzeitpause mit elf Punkten zurücklagen. Zwar kam die Mannschaft noch einmal auf drei Punkte heran, am Ende fehlte allerdings die Kraft, um das Spiel doch noch zu drehen. So blieb den Dragons wie schon in der Saison zuvor nur der undankbare neunte Tabellenplatz, punktgleich mit dem Achten (Braunschweig).
Die 60er-Jahre
Die 70er-Jahre
Die 80er-Jahre
Die 90er-Jahre
Das 21. Jahrhundert
Saison 2003/2004
Saison 2004/2005
Saison 2005/2006
Saison 2006/2007
Saison 2007/2008
Saison 2008/2009
Saison 2009/2010
Die 50er-Jahre: Aller Anfang ist schwer
Basketball wurde in Quakenbrück etwa ab 1954 am Artland-Gymnasium gespielt. Im Jahr darauf waren es zwei Sportbegeisterte, die durch Zeitungsartikel für das moderne Ballspiel aus den USA warben und eine Interessengemeinschaft gründeten, die sich dem Quakenbrücker TSV (QTSV) anschloss. Die Pioniere Jürgen Köhler und Dieter Jedam zogen schon bald bei sehr guter Beteiligung ein intensives Training auf.
Den ersten Schritt an die Öffentlichkeit wagten die QTSVer am 28. Oktober 1956, als sie gegen die im Basketball fortgeschrittenen Quakenbrücker Gymnasiasten antraten und erwartungsgemäß klar unterlagen (25:61). Nachdem sich diese Schüler dem Verein angeschlossen hatten, erlebte die Abteilung innerhalb kürzester Zeit einen sprunghaften Auftrieb. In mehreren Freundschaftsspielen kamen die Basketballer zum Teil zu recht achtbaren Ergebnissen. Die Abteilung zählte schon bald zu den leistungsstärksten Mannschaften des Regierungsbezirks. Dank des Initiators, Studienrat Wilhelm Hoffmann, wurde Quakenbrück neben Osnabrück zu einer zweiten Basketball-Hochburg. Bei Freundschaftskämpfen bot der QTSV starke Gegner auf, darunter auch die Oberligisten VfL Osnabrück und TV Essen-Altenessen. Höhepunkt einer schönen Erfolgsserie war die Reise zum Turnier in Bochum am 12./13. April 1958, von der der QTSV ungeschlagen zurückkehrte.
Im Jahr 1958 nahm der QTSV auch erstmalig an Punktspielen teil. Er trat in der Stadtliga Osnabrück an, die später zu einer Bezirksliga avancierte. In ihr hielten sich die Basketballer stets ausgezeichnet, belegten in jedem Jahr einen der vorderen Tabellenplätze.
Die 60er-Jahre: Erste Erfolge auf Landes- und Bundesebene
1961/62 gelang es, besser gesagt, war die finanzielle Grundlage geschaffen worden, den Aufstieg in die Bezirksliga zu wagen. Aber nur eine Saison hielten sie sich in der zweithöchsten Spielklasse des Niedersächsischen Basketball-Verbandes (NBV). Dann verließen die meisten Spieler Quakenbrück, um ihr Studium bzw. ihren Beruf in einer anderen Stadt auszuüben.
Zu den Höhepunkten des QTSV-Basketballlebens zählten internationale Turniere, die seit 1960 regelmäßig in der städtischen Turnhalle an der Burgstraße veranstaltet wurden. Die Zuschauer bekamen spielstarke Mannschaften aus dem norddeutschen Raum und benachbarter Ländern zu sehen. So sicherte sich beispielsweise Agon Amsterdam den ersten Wanderpokal vor EB „SISU“ Kopenhagen. Der Gastgeber gewann bei diesen Turnieren oftmals nur an Erfahrung. Mitte der 60er-Jahre sicherten sie sich beim internationalen Juniorenturnier den Wanderpokal gegen „Treffers“ Enschede.
In den Jahren 1963 bis 1966 war die Basketballabteilung aktiver denn je. Der Herrenmannschaft gelang der Aufstieg in die Landesliga. Daneben wuchsen starke Nachwuchsteams heran. Seit 1966 wird auch Damen- und Mädchenbasketball gespielt. Aus einer der Jugendmannschaften gingen mehrere Junioren-Nationalspieler hervor. Die A-Jugend wurde 1967 Niedersächsischer Landesmeister und Norddeutscher „Vize“. Im Jahr 1969 gelang der Schulmannschaft des AGQ, die fast ausschließlich aus QTSVern bestand, der Sprung zur Deutschen Meisterschaft. Dort musste sie sich nur dem späteren Champion (Max-Planck-Gymnasium Dortmund mit Ausnahmespieler Norbert Thimm) geschlagen geben und wurde Dritter.
Die 70-Jahre: Von der Verbandsliga in die 2. Bundesliga
Die 1. Herrenmannschaft kämpfte sich aus der Verbandsliga West 1972 mit dem jugoslawischen Trainer Dusan Kostov in die Oberliga und holte sich zwei Jahre später den Landestitel. Nach dem Aufstiegsturnier in Northeim stießen die Basketballer souverän in die 1. Regionalliga Nord vor. Einige der Fans um den Holländer Jan Krikken übernachteten in Northeim im bitterkalten April – es fielen sogar noch Schneeflocken – vor der Halle in Zelten! Verstärkt durch den unvergessenen US-Amerikaner John Anderson starteten die QTSVer in der Regionalliga einen Höhenflug und sicherten sich nach einem nervenaufreibenden Endspurt mit Ex-Nationalspieler Helmut Uhlig als Coach Platz 3 und den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Drei Jahre lang hielt sich der Kleinstadtverein in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Fast nur mit „echten“ Quakenbrückern wie Günter Kollmann, Wolfgang Lampe, Bernd Middendorf, Rüdiger Schleid, Herbert Seeliger oder Uwe Weyerbrock angetreten, ärgerte der QTSV als David so manchen Goliath aus den Metropolen. Schon die erste Saison hatte es in sich: Mit 0:14 Punkten gestartet, kam durch den Sieg über NSF Berlin die Wende. Der QTSV legte mit John Anderson die zweitbeste Rückserie aller Klubs hin, bezwang sogar den Top-Favoriten Hamburger TB, der den „heißen Atem“ der Drachen-Vorgänger längst im Nacken spürte. Mit Joachim Linnemann als einem der ersten Deutschamerikaner überhaupt war der QTSV Vorreiter für die Bundesliga.
Einer der Höhepunkte dieser Ära war auch der Kampf um den Einzug ins Achtelfinale des DBB-Pokals gegen Bayer Leverkusen. Der Abonnementmeister hatte nach eigenem Bekunden Schwierigkeiten, auf der Landkarte den Austragungsort Essen/Oldb. zu finden, wo die QTSVer mangels vorschriftsmäßiger eigener Halle auflaufen mussten. Freundschaftsspiele gegen die Nationalmannschaften des Sudan oder der CSSR folgten. Mehr als 500 Zuschauer erlebten einen Herzschlagsieg über den Lokalrivalen BG VfL/OSC Osnabrück. US-Center Clint Chapman kam aus der 1. Bundesliga für John Anderson, als Spielertrainer fungierte Gerd Güldenpfennig. In der vorerst letzten Zweitligasaison 1977/78 hätte der QTSV – inzwischen ausschließlich mit Amateuren besetzt – fast noch den Klassenerhalt geschafft, aber das entscheidende Relegationsspiel in Dortmund wurde knapp verloren.
Die 80er-Jahre: Erfolglose Zeit endet mit Landesliga-Titel
So kometenhaft, wie der Neuling einst aufgestiegen war, ging es nach dem unglücklichen Abstieg 1978 auch wieder talwärts. In den Punktspielen gab es wenig Erfolge, dafür sorgte Martin Lampe abseits des Parketts mit dem „Abend für Afrika“ für einen Höhepunkt der Saison.1500 Zuschauer feuerten die QTSVer an beim Spiel gegen BC Giants Osnabrück in der neu erbauten Artandhalle. Erst mit Rüdiger Schleid als Spielertrainer endete 1984 die erfolglose Zeit. Leider flog „Ütze“ kurz vor der Beinahe-Meisterschaft in der Landesliga zum polizeilichen Einsatz als Leibwächter des deutschen Botschafters in den Krisenherd Beirut. Im Jahr darauf glückte mit Spitzenspieler Wojtek Zdrodowski aus Polen – heute längst deutscher Staatsbürger – und Coach Eckhard Meyer (vom Meister VfL Osnabrück) der Titelgewinn in der Landesliga. 1985 holte Quakenbrück in Wolfenbüttel den Niedersächsischen Pokal.
Auch ohne ständig im Rampenlicht zu stehen, erzielten die Basketballdamen einige Erfolge. Sie holten 1985 und 1986 den Niedersächsischen Pokal, waren 1986 außerdem Landesmeister.
Die 90er-Jahre: Der Aufstieg in die BBL rückt näher
Das anschließende Auf und Ab war nichts für schwache Nerven: Vier Jahre Oberliga, 1990 Abstieg in die Landesliga, 1992 wieder hinauf in die 2. Regionalliga, 1993 erneut in die Oberliga. Günter Kramer hatte als Sparten-Chef längst die Nachfolge von Bernd Middendorf und Edgar Toepfer angetreten. Der Abteilungsleiter hielt eisern durch, und tatsächlich kamen wieder bessere Zeiten. Seine Jungs gewannen 1994 mit Erfolgstrainer Zdrodowski und dem russischen WM-Teilnehmer Alexander Khartchenkov das Aufstiegsturnier zur 2. Regionalliga in Quakenbrück mit Siegen gegen DTV Charlottenburg (80:73) und Fiko Rostock (103:53).
Auch die weibliche A-Jugend war erfolgreich. Sie wurde 1989, 1991 und 2000 niedersächsischer Vizemeister, ebenso die D-Jugend 1989 und die B-Jugend 1999. Lohn der konstanten und intensiven Aufbauarbeit: Die erfolgreichen Damen stiegen 1995 in die 1. Regionalliga auf, der sie mit Trainer Werner Reihs schon Jahre zuvor angehört hatten.
Jetzt knüpfte auch die 1. Herrenmannschaft an die Erfolge früherer Jahre an: 1995 kam der Aufstieg in die 1. Regionalliga, außerdem holten sie mit einem 104:88 gegen Lokalrivalen TSG Westerstede den Niedersächsischen Pokal. 1996 folgte dann endlich der ersehnte Aufstieg in die 2. Bundesliga. Zum Kader gehörten die Quakenbrücker Jürgen Kirk, Jan Meister, Michael Solga, Guido Thöle sowie Rückkehrer Marcus Preemann, der beim BC Giants und in Oldenburg erstklassig gespielt hatte. Die Zugänge Hendrik Wellmann, Markus Leuchten, Björn Marquardt und Holger Thamm, aber auch schon Profis wie Sympathieträger Uli Knost aus Bramsche und Ex-Nationalspieler Sven Meyer waren dabei. Natürlich gehörte auch der US-Amerikaner Christopher „Chris“ Fleming da schon zum Team.
In den Jahren zwischen 1996 und 2000 berichteten Lokal- und Sportpresse fast täglich von den wechselnden Erfolgen der „Artland Dragons“, wie die Quakenbrücker Korbjäger sich jetzt nannten. Im ersten Anlauf war der Klassenerhalt – ähnlich wie Mitte der 70er-Jahre – zunächst nur mühsam zu schaffen. Es folgte von Jahr zu Jahr eine kontinuierliche Steigerung, mit der Fans und Sponsoren zufrieden sein konnten. Zuschauer überfüllten die Ränge bei der Bundesliga-Aufstiegsrunde 1997/98 gegen Brandt Hagen, MTV Gießen, USC Heidelberg, TV Langen und BC Johanneum. Platz vier nach der Hauptrunde 1998, Platz drei 1999 hinter BCJ Hamburg und SSV Weißenfels, aber noch vor TuS Lichterfelde, Oldenburg, Göttingen und Hannover – die Begeisterung war grenzenlos, ein eigener Fan-Klub wurde geboren. Namen wie Fleming, Gacaev, Woltmann sowie Horrocks, Kamenjasevic und Lanes bürgten für Qualität oder zumindest für Originalität.
Trainer Toni Bevanda, der den engagierten Brian Muldowney abgelöst hatte, schien mit dem Team nach den Sternen zu greifen, denn im DBB-Pokal gelang ein sensationeller 65:63-Erfolg über den Erstliga-Vierten TV Tatami Rhöndorf. Wenige Wochen später wäre die Basketballwelt fast noch einmal aus den Angeln gehoben worden: Im Hexenkessel der Artlandhalle musste auch der nächste Cup-Gegner TSK Würzburg mit dem designierten NBA-Star Dirk Nowitzki fast dran glauben. Jan Sprünken, Johnny Griffin & Co. wuchsen in dieser Partie über sich selbst hinaus. Nowitzki, der eigentlich schon bei den Dallas Mavericks verpflichtet war und sich nur aufgrund eines NBA-Spielerstreiks in der deutschen BBL fit hielt, rettete schließlich mit seinen 33 Punkten den hauchdünnen 77:74-Erfolg der Würzburger.
Die „Zweite“ hatte sich derweil mit Spielertrainer Zdrodowski und einer ehrgeizigen Mischung aus Routiniers wie Eckhard Potratz, Jan Meister, Christian Thoms und Volker Trunt, aber auch Youngstern wie Dirk Buchholz, Lutz Fischer oder Jens Tepe gemausert, stieg innerhalb weniger Jahre über Bezirksliga und Bezirks-Oberliga in die Oberliga auf. Die Oldies (mit einem Durchschnittsalter von fast 40 Jahren) erkämpften 1995 Platz 5 bei der Senioren-Meisterschft II in Hagen, die „Dritte“ wirbelte zeitweise in der Kreisliga, die „Fünfte“ in den Landkreisen Osnabrück und Emsland – nachdrängende Jugendlichen fanden diverse Angebote, der Unterbau für die 1. Herrenmannschaft war gut aufgestellt.
Wie schwer der Sprung in das Oberhaus des deutschen Basketballs trotz solcher Cracks wie David Picton oder Nils Becker sein kann, zeigte sich nicht nur nach dem dritten Platz (1999/2000) hinter Oldenburg und Rhöndorf in der vom OTB und TuS Lichterfelde dominierten anschließenden Aufstiegsrunde.
21. Jahrhundert: Endlich im Oberhaus angekommen
Insbesondere in der bisher spannendsten Saison 2000/2001 standen Headcoach Chris Fleming und Co-Trainer Ritz Ingram dicht vor dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Fast 2000 Zuschauer in der Sporthalle Artland und 400 per Videoleinwand im Zelt verfolgten das Finale zwischen Quakenbrück und Rhöndorf, das die Gäste in einem wahren Krimi nach zwei Verlängerungen glücklich mit 100:97 gewannen. US-Star Washington wurde von Götz Rohdewald lange beherrscht, war aber schließlich effektiver als Townsend Orr auf der Gegenseite. Die Drachen unternahmen in der nächsten Saison einen glücklosen Versuch, sich vor dem starken Erstligaabsteiger BCJ Hamburg zu platzieren.
Danach rüsteten die Artland Dragons noch einmal auf. Mit der Option auf eine 3000-Plätze-Arena wurde ein neuer Angriff auf die erste Liga gestartet. Die weitere Erfolgsstory der Zweitligasaison 2002/2003 ist schon oft beschrieben worden: 30 Spiele, 30 Siege, Bundesligist EnBW Ludwigsburg im Pokal geschlagen und gegen Bundesligist ReinEnergie Köln nur knapp verloren, souveräner Aufstieg in die 1. Bundesliga – die „Artland Dragons“ schrieben Basketballgeschichte, noch bevor sie das Oberhaus erreichten. Der neu verpflichtete Manager Marko Beens, Head-Coach Chris Fleming und Co-Trainer Ritz Ingram machten zusammen mit dem „Dream-Team“ (Michael Jordan, Johnny McNeil, Konstantinos Stavropoulos, Mislav Ucovic, Jamie Duncan, Arne Woltmann, Ingo Freyer, Refiloe Lethunya, Daniel Strauch und Demekssa Duresso) einen Traum wahr. Und: Zum Kader gehörten mit Steffen Müller und Alexander Schwarz auch zwei Quakenbrücker Talente.
Saison 2003/2004: Aufsteiger mischt BBL auf
Endlich im Basketball-Oberhaus angekommen, setzten die Dragons dort ihre Erfolgsstoy fort. Das Team von Trainer-Duo Fleming und Ingram wurde durch den US-Amerikaner A.J. Granger, den „Oldenburger“ Jens-Uwe Gordon und den Griechen Sotirios Karapostolou verstärkt. Zwar starteten die Dragons mit einer 74:75-Niederlage in Hagen, das Ergebnis wurde aber wegen des Hagener Bankrotts elf Spieltage später gestrichen. Bei der Heimpremiere gegen Gießen, wussten die Drachen worauf es ankam. Mit 27 Punkten schickte das Team um Michael Jordan die Hessen nach Hause. 3000 Zuschauer in der ausverkauften Artland Arena waren begeistert. Einer Niederlage gegen den Meister aus Berlin folgte ein Heimsieg gegen RheinEnergie Köln. Für das Starensemble war es die fünfte Niederlage in Folge, Trainer Stephan Baeck wurde entlassen. Unvergessen bleiben auch die Siege zu Hause gegen Bonn (79:69) sowie auswärts gegen Leverkusen (99:88) und Bamberg (78:75), als Sotirios Karapostolou kurz vor Schluss das Spiel mit einem Dreier entschied.
Sechs Spieltage vor dem Ende der Rückrunde fanden sich die Dragons auf einem Playoff-Rang wieder, die Sensation schien greifbar. Obwohl gegen Karlsruhe, Bonn und den späteren Meister Frankfurt Niederlagen folgten, hatten die Dragons auch am letzten Spieltag noch die Chance auf Platz acht. Michael Jordan und Co. Erfüllten ihre Pflicht und siegten gegen Braunschweig, doch auch die beiden Mitkonkurrenten um die Playoff-Plätze, Köln und Leverkusen, gewannen. Natürlich war die Enttäuschung bei den Fans nach dem unglücklichen Abschneiden groß, doch am Ende überwog der Stolz über die erste Bundesliga-Saison. Das Ziel war schließlich der Klassenerhalt, um den sich niemand ernsthaft Sorgen gemacht hatte.
Saison 2004/2005: Artland Dragons schreiben Erfolgsgeschichte weiter
Und plötzlich ist es ganz leise in der Quakenbrücker Artland Arena. Gerade hat der Frankfurter Aufbauspieler Tyrone Ellis einen Dreier zum 62:65 gegen die Artland Dragons verwandelt. Noch 40 Sekunden zeigt die Anzeigetafel in diesem vierten Playoff-Spiel zwischen dem deutschen Meister Opel Skyliners Frankfurt und dem Außenseiter aus Quakenbrück. Die Frankfurter haben Ballbesitz, die Saison scheint für die Mannschaft von Dragons-Headcoach Chris Fleming beendet.
Es war der Höhepunkt der Saison. Zum ersten Mal zogen die „Drachen“ 2005 in der langjährigen Quakenbrücker Basketballgeschichte in die Playoffs der Basketball Bundesliga (BBL) ein. Und das nach einer Saison, die durchwachsen begann und so gar nicht die hohen Erwartungen befriedigen konnte. Als Aufsteiger hatten die Spieler um Kapitän Michael Jordan im Jahr davor nur knapp die Playoffs verpasst. „Wir wollen in der Mitte der Tabelle landen“, gab Dragons-Geschäftsführer Marko Beens das Ziel vor. Die Mitte: Bei 16 Mannschaften bedeutet das Platz acht oder neun.
Einen Start nach Maß legten die Artland Dragons im ersten Spiel der Saison bei BS|Energy Braunschweig hin: 91-72. Nach dem vierten Saisonspiel wies die Tabelle zwei Siege und zwei Niederlagen für die Dragons auf. Aber mit GHP Bamberg und RheinEnergie Köln stellten sich den „Drachen“ dann zwei echte Spitzenmannschaften (Vizemeister und Pokalsieger) in den Weg. Aus 4:4 Punkten wurden ganz schnell 4:8 Punkte. Wie stark die Mannschaft aus Quakenbrück wirklich ist, zeigten allen voran der beste Drei-Punkte-Schütze der Liga, Marko Bulic, und seine Kameraden in den Wochen bis Weihnachten. Vier deutliche Siege in der BBL und der Einzug ins Pokalachtelfinale ließen die Fans jubeln.
Diese stellten auch in diesem Jahr wieder einen Rekord auf: Alle Heimspiele der Basketballer in der Artland Arena waren restlos ausverkauft. Oft dauerte es nicht einmal 20 Minuten, da waren keine Karten mehr zu haben. Einige Fans campierten sogar schon morgens früh vor den Vorverkaufsstellen, um sich Tickets zu sichern. Für Co-Trainer Ralf Rehberger, vor dieser Saison zu den Dragons gewechselt, sind die Quakenbrücker Fans etwas ganz besonderes: „Beim ersten Spiel wusste ich ja nicht, was mich erwartet. Natürlich: Es wird dunkel, die Fans klatschen, die Spieler laufen ein – das alles habe ich ja schon so oft erlebt“, erklärt Rehberger. „Aber als ich zum ersten Mal gesehen habe, wie die Cheerleader in die Arena kommen, dann Tobi der Drache seinen Salto macht und plötzlich toben die Fans – da läuft einem ein kalter Schauer den Rücken runter.“
In das neue Jahr startet das Fleming-Team mit einer knappen Niederlage gegen ALBA Berlin, das Spiel endet mit einer Auseinandersetzung zwischen dem Berliner Trainer Emir Mutapcic, dem ALBA-Manager Henning Harnisch und Fleming, weil sich die Dragons vom Schiedsrichter ungerecht behandelt fühlen. Die BBL verhängt anschließend Geld-Strafen gegen alle drei Beteiligten.
Sportlich gibt es bei den Quakenbrückern immer wieder Rückschläge. Vor allem die Verletzung von Topscorer Marko Bulic und mehrere Angeschlagene machen es den beiden Trainer Fleming und Rehberger schwer, konstante Leistungen aus dem Team herauszuholen. Ohne Center Darius Hall und dem Kroaten Bulic empfangen die Artland Dragons den Vizemeister GHP Bamberg mit Bundestrainer Dirk Bauermann. Doch der Teamgeist und die fantastischen Fans in Quakenbrück bescheren den Dragons einen überraschenden 94:72-Sieg. Eine Woche später legt eine Grippe-Welle die ganze Mannschaft flach. Weil RheinEnerige Köln einer Spielverlegung nicht zustimmt, müssen die Dragons mit den noch vier gesunden Spielern Arne Woltmann, Igor Jokic, Hrvoje Puljko und Jan Rohdewald nach Köln reisen. Das Spiel findet nicht statt und wird 1:0 für Köln gewertet.
Sechs Spieltage vor Schluss haben die „Drachen“ dann die Möglichkeit in Karlsruhe gegen den direkten Playoff-Konkurrenten vorzeitig den Einzug in die Runde der letzten Acht klar zu machen. Doch das Team zeigt Nerven, verliert knapp mit 77:79. Nach dem 28. Spieltag ist es dann endlich soweit: Nach der Niederlage von Ludwigsburg gegen Gießen können die Dragons nicht mehr aus den Playoff-Rängen verdrängt werden. Beflügelt von der Sicherheit gelingt den Dragons auch der erste Sieg gegen Serienmeister ALBA Berlin.
Die Tabellen-Konstellation beschert den Artland Dragons, die Fünfter werden, den deutschen Meister Frankfurt (Vierter) als Playoff-Gegner. „Das ist die Mannschaft, die uns am wenigsten liegt“, sagt Fleming. Und das einzige Team, gegen das die Dragons in der regulären Saison nicht gewinnen konnten. Unerwartet schwer tut sich der Favorit im ersten Spiel in Frankfurt, macht den Sieg erst in der Schlussphase klar. Das zweite Spiel in Quakenbrück gewinnen die Drachen und auch im dritten Spiel in Frankfurt sind sie einem Sieg ganz nah, doch Frankfurt spielt in der Schlussphase seine ganze Routine aus.
Toll gekämpft, und dann in der Artland Arena, im vierten Spiel, 40 Sekunden vor Schluss, das endgültige Aus durch Tyrone Ellis? Ohne die Quakenbrücker Fans. „DEFENSE, DEFENSE!“, tönt es von den Rängen in einer Lautstärke, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Es hilft. Marko Bulic holt sich den Ball von Tyrone Ellis, dribbelt an die Drei-Punkte-Linie und wirft. Die 3000 Fans halten den Atem an. Der Schiedsrichter streckt die eine Hand mit drei erhobenen Fingern nach oben, die zweite folgt – der Ausgleich, Verlängerung! Das Spiel bleibt hart umkämpft, aber die Dragons holen den Sieg und erzwingen ein fünftes Spiel gegen den deutschen Meister.
800 Fans begleiten ihr Team nach Hessen und werden Zeuge, wie den Quakenbrückern die Kräfte schwinden. Die Niederlage fällt deutlich aus, die Saison ist beendet. „Ich ärgere mich über das dritte Spiel, das hätten wir gewinnen müssen“, sagt Chris Fleming auch zwei Tage nach dem Aus noch. Doch wer hätte vor der Saison gedacht, dass die Dragons den deutschen Meister zu fünf Spielen im Playoff-Viertelfinale zwingen? Dadurch hat sich der Basketball-Club aus der 13.000-Einwohner-Stadt endgültig Respekt verschafft in der BBL. „Ich weiß nicht viel über Quakenbrück, aber ich weiß, dass sie eine sehr gute Basketball-Mannschaft haben“, sagt Frankfurts Trainer Murat Didin. „Und fantastische Fans.“ Und die werden die Artland Dragons auch in der kommenden Saison verzücken.
Saison 2005/2006 – Ein Wechselbad der Gefühle
8. April 2006 – Freudestrahlend und feuchtfröhlich feiern die Artland Dragons nach dem letzten Heimspiel der Hauptrunde auf der Saisonparty mit ihren Fans die bislang turbulenteste, aber auch erfolgreichste Spielzeit der Quakenbrücker Basketballer in der Basketball Bundesliga. Zurecht! Denn wer hätte gedacht, dass sich die Dragons nach dem schwächsten Saisonstart in der Bundesliga und diversen Zwischentiefs erneut für die Play-off-Runde um die deutsche Meisterschaft und darüber hinaus erstmals für das Top Four-Turnier qualifizieren?
Dabei startete die dritte Bundesliga-Spielzeit der Fleming-Truppe im Oktober 2005 gleich mit einem Paukenschlag: Nach guter Vorbereitung mit glanzvollen Testspielsiegen über Groningen und Besiktas Istanbul wartete mit Serienmeister Alba Berlin gleich am ersten Spieltag der Meisterschafts-Topfavorit auf die Burgmannstädter. In Erinnerung bleibt jedoch weniger die nur knappe 80:89-Niederlage. Nach internen Disziplin-Verstößen suspendierten die Artland Dragons Spielmacher Michael Jordan und lösten kurz darauf in beidseitigem Einverständnis den Vertrag mit Jordan auf.
Ohne etatmäßigen Aufbauspieler verloren die Dragons zunächst ihre ersten beiden Spiele, schienen sich aber nach den Siegen gegen Karlsruhe und Köln gefangen zu haben. Die Dragons-Niederlage vor heimischem Publikum am achten Spieltag gegen den TBB Trier besiegelte jedoch den schwächsten Saisonstart der Dragons aller Zeiten, denn mit nur zwei Siegen aus acht Spielen lag der kleinste Bundesliga-Standort deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Doch die Dragons-Führung setzte ein Zeichen und stärkte mit der Vertragsverlängerung bis 2008 ihrem Cheftrainer Chris Fleming den Rücken. Das Vertrauen zahlte sich aus: Es folgte ein grandioser Verlängerungs-Sieg bei den Telekom Baskets Bonn, zugleich Start einer langen Siegesserie. Acht der neun anstehenden Bundesliga-Partien entschieden die Dragons mit ihrem neuen Spielmacher Filiberto Rivera für sich, darunter auch ein deutlicher Erfolg beim deutschen Meister GHP Bamberg, dem Darius Hall & Co. beim 89:75 die erste Heimspielniederlage seit langem zufügten.
Die Integration der zwischenzeitlich nachverpflichteten „Luftwaffe“ Tommy Lee Smith verlief schneller als erhofft und mit spektakulären Dunks und Blöcken spielte sich die Nummer 20 in die Herzen der Fans. Als umso schmerzhafter entpuppte sich Smith’ komplizierte Handverletzung, die den schlaksigen US-Amerikaner sechs Wochen außer Gefecht setzte. Allgemein war es um die Gesundheit der Dragons oftmals kritisch bestellt: Flügelspieler Tory Walker schleppte über die gesamte Spielzeit diverse Verletzungen mit sich herum und war dadurch nur selten in der Lage sein großes Potential zu nutzen. Auch Leistungsträger wie Dragons-Allstar Bryan Bailey und Allrounder Chad Prewitt standen den Trainern mit starken Handicaps lange Zeit nicht zur Verfügung.
Nach der Vertragsauflösung mit Barisa Krasic, der nicht die erhoffte Verstärkung gebracht hatte, fehlte den Dragons nun zusätzlich eine Alternative, was sich besonders in einem kleinen Zwischentief mit vier Niederlagen in Folge bemerkbar machte. Doch erneut rissen sich die Dragons zusammen und führten mit einem Auswärtssieg die Trendwende herbei: Mit dem 83:72-Pokalsieg bei der BG Karlsruhe beendeten die Quakenbrücker nicht nur eine kleine Niederlagen-Serie, sondern qualifizierten sich sogar für das Pokal-Viertelfinale, in dem sie sich mit dem Bezirksrivalen EWE Baskets Oldenburg messen sollten. Nach dem heimischen Ligaerfolg über die Oldenburger besiegten die Dragons den Nachbarn nach einer grandiosen Energieleistung auch im Pokal und qualifizierten sich mit dem 77:73-Erfolg in der Artland Arena erstmalig für das Top Four-Turnier. Dieser historische Sieg und der starke Endspurt in der Liga mit fünf abschließenden Siegen, darunter erneut ein berauschender Sieg über den deutschen Meister aus Bamberg, ließen auch die empfindliche 91:98-Niederlage gegen den direkten Play-off-Konkurrenten aus Bonn vergessen.
Das Team der Artland Dragons bedankte sich nach der Hauptrunde mit einer großen Saisonparty bei ihren Fans für deren schier unendlich großen Unterstützungskraft – auch und vor allem während der schwächeren Spiele. Einmal mehr stieß die Begeisterung der Anhänger in neue Dimensionen vor: Mehrere Hundertschaften Fans begleiteten ihr Team beispielsweise nach Köln zum Aufeinandertreffen mit Ex-Drache Michael Jordan und fast schon standardmäßig reisten nahezu 800 Fans zu den Auswärtsspielen nach Oldenburg und nach Bremerhaven.
Nach einer guten Vorstellung beim Top Four-Turnier in Bamberg, wo es nach zwei unglücklichen Niederlagen gegen Gastgeber Bamberg und den Giessen 46ers „nur“ zum vierten Platz reichte, wollten es die Mannen des Trainergespanns Fleming/Rehberger in der Viertelfinal-Serie gegen die Eisbären Bremerhaven besser machen. Es sollte die packendste Serie aller Viertelfinals werden. Die Dragons gewannen ihre beiden Heimspiele souverän und erzwangen bei den ebenfalls in eigener Halle erfolgreichen Eisbären ein entscheidendes fünftes Spiel. Dass es dort trotz starker Leistung beim 61:64 am Ende nicht ganz zum Sieg reichte und die Dragons erneut den Einzug ins Halbfinale verpassten, sorgte bei Spielern und Fans zunächst für große Enttäuschung.
Wer jedoch rückblickend auf die gesamte Saison blickt, kann mit Fug und Recht stolz auf die Artland Dragons 2005/2006 sein: Ein Team, das sich nach allen personellen Turbulenzen und trotz Verletzungspech sportlich gefangen hat und mit ihrer Dynamik und Athletik regelmäßig 3000 Dragons-Fans in der Artland Arena mit spektakulären Szenen verzückte. Dass darüber hinaus mit der Qualifikation zum Top Four und dem erneuten Einzug in die Play-offs auch der Erfolg nicht zu kurz kam, spricht für eine gelungene Spielzeit.
Und so feierten die Fans mit „ihren“ Spielern an eben jenem 8. April bis tief in die Nacht. Als wüssten sie bereits, dass die Spielzeit 2005/2006 eine ganz besondere und unvergessliche Saison sein würde!
Saison 2006/2007 – Ein Lazarett auf Höhenflug
„Jungs, ich habe ein gutes Gefühl, dass wir in dieser Saison etwas Großes erreichen werden.“ Als hätte Dragons-Geschäftsführer Marko Beens bereits eine Vorahnung gehabt, sprach er diese Worte im August 2006 zum Abschluss des allerersten Mannschaftstreffens zu den neuen und alten Drachen. Sechs verbliebene und vier neue Spieler begrüßte Dragons-Headcoach Chris Fleming zum Trainingsauftakt der Saison 2006/2007 und gab damit den Startschuss zur bislang erfolgreichsten Spielzeit der Artland Dragons.
Nach den ersten Trainingswochen und dem Trainingslager in Rotenburg/Fulda deutete sich an, wie gut dem Drachendompteur Fleming es gelungen ist, die sechs Abgänge (darunter Publikumsliebling Marko Bulic) zu kompensieren und dem neuen Team einen sympathischen und erfolgshungrigen Geist einzuhauchen. Und so sehr die ersten Wochen von positiven Eindrücken geprägt waren, um so ärger traf es die Quakenbrücker Basketballer in den letzten Wochen der Saisonvorbereitung: Nachdem sich Bryan Bailey in einem Testspiel das Innenband im Knie riss, brach sich Neuzugang Lamont McIntosh seinen linken Mittelfuß und auch Routinier Jan Rohdewald verpasste nach der Diagnose eines schweren Infekts mit Herzbeteiligung den Saisonstart.
Allen Umständen zu trotz gelang dieser dennoch ganz passabel und die Fleming-Truppe gewann die ersten drei Spiele. Der nachverpflichtete Sean Dockery fügte sich mit seiner Kämpfernatur nahtlos ins Mannschaftsgefüge ein, welches auch nach drei folgenden Niederlagen nicht auseinander zu fallen drohte. Angeführt vom Neuzugang und Topscorer Adam Hess, der monatelang unangefochten die Korbjägerliste der Liga anführte, gewannen die Quakenbrücker Profi-Basketballer sechs der ersten neun Spiele und standen in der Tabelle unter den vier besten Mannschaften.
Im ersten Fernsehspiel der Saison gab es jedoch eine derbe Klatsche gegen die Bremerhavener (62:94) und auch die Heimniederlage gegen ALBA Berlin nagte an den Gemütern der Dragons-Akteure, zumal mit Brian Thornton in der Zwischenzeit ein weiterer wichtiger Spieler mit einem Knie-Innenbandriß mehrere Monate ausfiel und der nachverpflichtete Julian Terrell leider nicht die Lücke unter dem Korb stopfen konnte. So war Mannschaftskapitän Darius Hall weitestgehend in Brettnähe auf sich allein gestellt, wusste aber den immer stärker werdenden Chad Prewitt neben sich, als die Dragons sich scheinbar fingen und die nächsten drei Siege in Serie erspielten – exklusive einem ungefährdeten Pokalerfolg beim Regionalligisten aus Stahnsdorf. Überhaupt gab es im Dezember viele Emotionen, als der gefeierte Sean Dockery aus dem Team ausschied, weil Lamont McIntosh sich zunächst gesund zurückmeldete, aber eine Woche später im Training erneut einen Mittelfußbruch erlitt, diesmal rechts. Und so konnte Cheftrainer Fleming erneut nicht mit seiner angedachten Formation auftreten und musste umplanen.
Der zum Jahreswechsel nachverpflichtete Scharfschütze David Jackson verhinderte es jedoch auch nicht, dass die Dragons auswärts gleich zwei Mal arg patzten: Mit unerwartet hohen Pleiten bei den Aufsteigern aus Ulm und Paderborn schien den verletzungsgeplagten Quakenbrückern die Pause des All Star-Days gerade recht. Dort wären in der Kölnarena zum ersten Mal drei Dragons-Akteure vertreten gewesen, doch BBL-Topscorer Adam Hess und der im Dunking-Contest nominierte Tommy Smith mussten verletzungsbedingt absagen, sodass Center Darius Hall in der Starting Five der Nordauswahl der einzige Drache war.
Dass auf Niederschläge bekanntlich Höhepunkte folgen, bewiesen die Artland Dragons in den darauf folgenden Wochen, als sie gegen Nürnberg deutlich und in Bamberg knapp siegten. Den Sieg bei den starken Oberfranken, die sich zwischenzeitlich die Dienste Dockery's sicherten, bezahlte der Trainerstab um Chris Fleming und Ralf Rehberger jedoch teuer, da der bislang wertvollste Spieler der Südniedersachsen Chad Prewitt mit einem Innenbandriß im Knie die nächsten drei Monate ausschied. Zwar zogen die Artländer durch einen Sieg beim Zweitligisten Chemnitz souverän ins Viertelfinale des BBL-Pokals ein, doch in der Liga setzte es ernüchternde Niederlagen gegen Ludwigsburg, Braunschweig und Leverkusen.
Nach und nach meldeten sich die Verletzten aus dem Lazarett zurück, doch die Vorbereitung schien von Woche zu Woche von Neuem zu beginnen. Mit dem Sieg im Pokal beim Ligakonkurrenten Paderborn Baskets erreichten Darius Hall & Co. zwar mit der Qualifikation zum TOP FOUR ein Zwischenziel, doch nach den vier darauf folgenden Niederlagen in der BBL rutschten die Dragons erstmals aus den Play-off-Rängen. „Vier Siege aus den letzten fünf Spielen“ gab Headcoach Fleming in seiner siebten Saison als Cheftrainer als Marschroute vor. Und tatsächlich rauften sich die Drachen noch einmal für den Schlussspurt zusammen, gewannen die Spiele gegen Trier, Frankfurt, Köln und Ulm und qualifizierten sich kurz vor dem K.O. doch noch für die Runde der besten Acht.
Fast „nebenbei“ besiegten die Artländer im TOP FOUR-Halbfinale Nord-Konkurrent Bremerhaven in einem Herzschlagfinale und hätten es fast auch im Pokalfinale gegen Köln zum großen Coup geschafft, doch das Verletzungspech, dass sich wie ein roter Faden durch die gesamte Spielzeit zog, schlug im Finale diesmal bei Kapitän Darius Hall zu und der Pokalerfolg wurde knapp verpasst (58:60).
Ende Mai begannen nun die Play-offs und Drachendompteur Fleming wunderte sich einstweilen, dass zum Start der Bestenrunde alle seine Spieler gesund waren. „Ein ganz neues Gefühl für uns,“ meinte der „eingebürgerte“ Quakenbrücker Trainer lakonisch, nachdem seine Mannschaft im Play-off-Viertelfinale Geschichte schrieb und als Achtplatzierter das topgesetzte ALBA Berlin mit 3:0 aus dem Wettbewerb warf – das Quakenbrücker Sommermärchen begann. Euphorisch wurde das Team nach dem historischen Triumph - noch nie hatte ein Hauptrunden-Achter den Hauptrunden-Ersten geschlagen - mitten in der Nacht gefeiert. Auch jeder weitere Sieg im Halbfinale gegen den Meister und Pokalsieger Köln bedachte die Dragons-Fangemeinde mit langen Spontanpartys. Angespornt durch das neue „Wir-Gefühl“ innerhalb des Teams und der Stadt demontierten Bailey, McIntosh & Co. die favorisierten Kölner im entscheidenden fünften Spiel und zogen erstmals in der Vereinsgeschichte ins Finale um die deutsche Meisterschaft ein.
Diese Sensation rief nun bundesweit die Medien auf den Plan und die Berichterstattung über das BBL-Finale sprengte ungebremst den bis dahin bekannten Rahmen – „David gegen Goliath“ hieß es in den Zeitungen und Basketballdeutschland erlebte mit, wie der David aus Quakenbrück dem hochgehandelten Favoriten aus Bamberg im ersten Finalspiel den Heimvorteil klaute. Aber auch diesen Erfolg büßten die Quakenbrücker mit dem verletzungsbedingten Verlust ihres überragenden Spielmachers Filiberto Rivera ein. Ohne ihren etatmäßigen Dirigenten stemmten sich die verbliebenen Dragons gegen die starken Bamberger, ehe sie sich nach dem vierten Finalspiel vom großen Traum der Meisterschaft verabschieden mussten.
Die Dragons verloren vielleicht das Finale, aber gewannen viele Herzen im deutschen Basketball, was ein Fan der Telekom Baskets Bonn bewies, als er meinte „Heute sind wir alle ein bisschen Quakenbrück!“ Und so weilte die Enttäuschung bei den Spielern nur kurz, auch weil ihre Fans und eine ganze Region ihre Helden direkt nach dem Spiel und auf dem großen Empfang am eigens erbauten Rathausbalkon wieder aufbaute – ein versöhnlicher Abschluss einer sagenhaften Spielzeit, in der ganz nach der Prophezeiung des Geschäftsführers Marko Beens „Großes bewegt“ wurde.
Saison 2007/2008: Dragons entflammen Europa
„Artland!“ - „Dragons!“, „Artland!“ - „Dragons!“ schallen die Wechselgesänge von der Mannschaft mit den Fans vom Marktplatz aus durch ganz Quakenbrück. Rund 3000 Anhänger feiern einen ganz besonderen Erfolg: der ersten Titel für die Artland Dragons! Wenige Stunden zuvor hatte das Team von Dragons-Headcoach Chris Fleming mit einem 74:60-Sieg über EnBW Ludwigsburg in der Hamburger Color Line Arena das wahr gemacht, wovon viele langjährige Fans nur zu träumen gewagt hatten: Die Dragons sind deutscher Pokalsieger 2008. Und das, nachdem viele dachten, das Sommermärchen aus der vergangenen Saison mit Vizemeisterschaft und Vizepokalsieg sei nicht mehr zu steigern.
Auch im europäischen ULEB Cup sorgt der Außenseiter für Furore und bei den Fans für Gefühlswechsel im Wochentakt. Dem viel umjubelten ersten Sieg gegen den in Europa renommierten französischen Erstligisten Elan Béarnais Pau-Orthez (85:74) folgt die höchste Niederlage, die die Dragons seit dem BBL-Aufstieg hinnehmen mussten: In Sofia kommen Adam Chubb und Co. mit 65:109 unter die Räder. Doch schon vier Tage später zeigt das Team, das es an sich und sein Leistungsvermögen glaubt und erobert mit einem 73:69-Sieg gegen den deutschen Meister Brose Baskets Bamberg die Tabellenspitze. Die Euphorie dämpft der Trainer: „Am Ende der Saison wird abgerechnet. Mir wäre es lieber, im Juni dort oben zu stehen“, sagt Chris Fleming.
Ungehindert dieser Aussage setzen die Quakenbrücker Basketballer ihre Erfolgsserie in der Bundesliga fort. Die Hinrunde beenden die Spieler um die Kapitäne Darius Hall und Lamont McIntosh mit nur vier Niederlagen auf Platz zwei. Im ULEB Cup geht die Erfolgsgeschichte des Kleinstadt-Klubs weiter: Mit einem 71:69-Zittersieg ziehen die Dragons als letztes von 32 Teams in die nächste Runde des europäischen Wettbewerbs ein. Das nächste Highlight wartet schon: Anfang Februar reisen die „Drachen“ zum Spitzenspiel bei ALBA Berlin. Vor dem Spiel ist klar: Gewinnen die Dragons mit mindestens sieben Punkten Unterschied, holen sie sich den direkten Vergleich und die Tabellenführung zurück. 76:68 heißt das Ergebnis - die Dragons sind wieder Spitze! Drei Tage später lässt die Mannschaft ihre Fans beim Pokal-Derby bei den EWE Baskets Oldenburg wieder zittern. In der Verlängerung setzen sich die Dragons knapp mit 95:93 durch und ziehen ins BBL-Pokal-Viertelfinale ein.
Knapp drei Wochen später nehmen die Quakenbrücker Basketballer die schönste Niederlage der Vereinsgeschichte hin. Nach einem 80:82 beim russischen Favoriten Triumph Lyubertsy mit einer Galavorstellung von Dragons-Center Adam Chubb (30 Punkte, 8 Rebounds) zieht die Fleming-Truppe ins ULEB-Cup-Achtelfinale ein, weil sie das Hinspiel 81:75 gewann. Diesem Erfolg – die Dragons waren damit das einzige deutsche Team das noch international vertreten war – folgt eine Schwächphase mit vier Niederlage am Stück in der BBL, die die Quakenbrück die Tabellenführung kostet, aber von einem sensationellen Pokal-Triumph unterbrochen wird: Im Viertelfinale fegen McIntosh und Co. Bamberg 98:67 aus der Artland Arena. Es ist das erste Mal seit dem 19. Februar 2005, dass eine Mannschaft gegen die Verteidigungsspezialisten aus Bamberg in 40 Minuten mehr als 90 Punkte erzielt. Damals waren es auch die Dragons, die Bamberg 94 Punkte einschenkten.
Am vorletzten Spieltag der BBL-Hauptrunde haben die Jungs von Fleming noch die Chance, sich in der Tabelle weiter nach vorne zu arbeiten und treten als Tabellendritter bei den einen Sieg vor ihnen liegenden Leverkusenern an, die ihrerseits mit einem Sieg Tabellenführer ALBA vom Thron stoßen könnten. Nach dem Dragons-Sieg im Rheinland tauschen die beiden Kontrahenten die Plätze. Nach dem letzten Spieltag geht das Spitzentrio in der Reihenfolge ALBA Berlin, Artland Dragons, Bayer Giants Leverkusen in die Play-offs.
Dort zeigt sich, wie Recht Fleming mit seiner Aussage im November behalten sollte. Ausgelaugt von einer anstrengenden ULEB-Cup-Saison und nach dem Pokal-Erfolg nicht mehr hungrig genug, haben die Artland Dragons den Telekom Baskets Bonn nur im ersten Play-off-Viertelfinalspiel etwas entgegen zu setzen. Das zweite Spiel im Rheinland verlieren die „Drachen“ nach fulminanter Aufholjagd nur knapp. Im dritten Spiel reichen dem Bonner Aufbauspieler Miah Davis 4,7 Sekunden, um aus einem 76:75 ein 76:77 zu machen. Von dieser enttäuschenden Niederlage erholen sich die Dragons nicht mehr und müssen sich im vierten Spiel deutlich geschlagen geben.
Auch wenn die Saison damit anders endet als erwartet, weil die Dragons als einer der Favoriten in die Play-offs gegangen sind, können die Fans stolz auf die Mannschaft sein, die den ersten Titel der Vereinsgeschichte ins Artland geholt hat. Nach einem Empfang im Quakenbrücker Rathaus bedanken sich Lamont McIntosh, Darius Hall, Adam Chubb und Co. ausführlich von bei ihren Fans und verschenken Trikots, Schuhe und Trainingsklamotten auf dem Marktplatz. Bereit für einen Neuanfang...?
Saison 2008/2009: Aller (Neu-)Anfang ist schwer
Die Luft ist zum Zerreißen gespannt. Trotz des deutlichen 90:69-Sieges gegen die Deutsche Bank Skyliners ist bei den Artland Dragons niemandem zum Feiern zumute. Denn um doch noch in die Play-offs zu kommen, muss Göttingen in Paderborn gewinnen. 2:06 Minuten bis zur Schlusssirene, Göttingens Robert Kulawick trifft einen Dreier zum 65:65. 13 Sekunden vor Schluss ist das Spiel immer noch ausgeglichen 71:71. Paderborns Lavelle Felton trifft nur einen seiner zwei Freiwürfe und Göttingen bleiben noch 4 Sekunden, um das Spiel zu gewinnen. „Göttingen, Göttingen“-Sprechchöre schallen durch die Artland Arena, gut 2.000 Fans sind nach der Schlusssirene noch in der Halle geblieben, um das wichtige Duell am Live-Ticker zu verfolgen. Doch vergebens. John Little verliert den Ball, Paderborn gewinnt und zieht dank des gewonnenen direkten Vergleichs gegen die Dragons in die Play-offs ein.
Für schwache Nerven war der Endspurt der Artland Dragons nichts, ebenso wie die ganze Saison. Schon der Beginn der ersten Spielzeit unter dem neuen Headcoach Thorsten Leibenath stand unter keinem guten Stern: In ALBA Berlin wartete gleich zweimal der Top-Meisterschafts-Favorit auf die Quakenbrücker Basketballer, die sich erwartungsgemäß auch zweimal geschlagen geben mussten. Der klassische Fehlstart mit nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen (inklusive Champions Cup) wurde durch den „Goldenen Herbst“ wieder wett gemacht. Sieben der nächsten neun BBL-Partien gewannen die „Drachen“ und begeisterten ihr Publikum mit einem 87:78-Sieg über den italienischen Spitzenklub Fortitudo Bologna im EuroCup. Dass dem Prestige-Sieg gegen den Klub der Ex-Drachen Chris Fleming, Arne Woltmann, John Goldsberry, Filiberto Rivera und Michael Jordan, Brose Baskets Bamberg, eine längere Durststrecke folgen würde, ahnte da noch niemand.
Immer deutlicher wurde, dass Aufbauspieler Zack Whiting den Anforderungen von Dragons-Headcoach Thorsten Leibenath nicht gerecht werden konnte. Und auch der nach verpflichtete Will Blalock zeigte nur in wenigen Spielen sein eigentliches Können und musste ebenso wie Whiting noch vor Saisonende die Dragons wieder verlassen. Das Hin- und Her auf der Aufbauposition verunsicherte die Mannschaft. Die Folge war eine schwarze Serie, die im Dezember mit einer 66:75-Niederlage in Braunschweig begann und erst acht Spiele später mit einem 77:55-Sieg bei den Köln 99ers im Februar endete.
In der BBL pfui, in Europa hui – im EuroCup erreichten die Dragons trotz der Misere in der Bundesliga nach einem von sechs Dragons-Fans bejubelten 93:89-Sieg im Hexenkessel von Bologna die Zwischenrunde und zählten damit erneut zu den besten 16 Teams dieses europäischen Wettbewerbs. Dort bekamen die Quakenbrücker allerdings nicht nur vom späteren EuroCup-Sieger Lietuvos Rytas Vilnius um Leibenaths Ex-Spieler Chuck Eidson die Grenzen aufgezeigt. 64:105 kamen die stark dezimierten „Drachen“ in Litauen unter die Räder, hielten zu Hause beim 70:79 aber erstaunlich gut mit.
Zum Ende der Wechselfrist schlugen die Dragons dann noch einmal auf dem Transfermarkt zu und gaben die Verpflichtung von Ronald Ross und Toby Bailey bekannt. Zwölf Spiele blieben der Leibenath-Truppe noch, um sich vom 14. Tabellenplatz auf einen Play-off-Rang vorzuarbeiten. Nach dem umjubelten 71:66-Sieg gegen den Tabellenzweiten MEG Göttingen, folgte eine vermeidbare 69:72-Niederlage bei EnBW Ludwigsburg, nach der kaum noch einer darauf gesetzt hätte, dass die Dragons tatsächlich an die Play-off-Ränge herankommen. Doch Leibenath sollte mit seiner Einschätzung Recht behalten. Seine Mannschaft spielte sich in einen Siegesrausch, der jäh in Düsseldorf gestoppt wurde. Dennoch blieben die Dragons an Paderborn dran und hatten am letzten Spieltag noch die Chance, die Play-offs zu erreichen, mussten aber auf Göttinger Schützenhilfe hoffen.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fasste es treffend zusammen: Das letzte Saisonspiel in der Artland Arena hatte zwei Verlierer. Klar, die Frankfurter, aber auch die Dragons ließen die Köpfe hängen, Tränen flossen. Doch schon auf der Pressekonferenz gab sich Leibenath wieder kämpferisch: „Ich verspreche den Fans, dass wir in der Off-Season extrem hart arbeiten werden, um nächste Saison von Anfang an eine starke Mannschaft zu präsentieren.“ Nach sechs Spielzeiten in Folge – angefangen mit der Aufstiegssaison 2002/2003 –, in denen es immer bergauf ging, wirkt die Erfolgsserie zwar durchbrochen, aber „es ist normal, dass im Leben nicht immer alles glatt läuft“, sagt Dragons-Geschäftsführer Marko Beens. „Und den Erfolg weiß man noch mehr zu schätzen, wenn man auch einmal Rückschläge weggesteckt hat und spürt, dass er nicht selbstverständlich ist.“
Saison 2009/2010: Nicht für schwache Nerven
Wieder einmal nichts für schwache Nerven ist die Saison 2009/2010 der Artland Dragons gewesen. Als Tabellenneunter ging die Mannschaft von Dragons-Headcoach Thorsten Leibenath punktgleich mit den achtplatzierten Braunschweigern in den 34. Spieltag. Weil die Quakenbrücker „Drachen“ den direkten Vergleich gegen die Ostniedersachsen verloren hatten, mussten sie auf eine Braunschweiger Niederlage in Frankfurt hoffen und selber ihr Duell gegen die Eisbären Bremerhaven gewinnen, um in die Play-offs einzuziehen. Und tatsächlich: Frankfurt tat den Dragons den Gefallen und besiegte die Braunschweiger. Allerdings schaffte es die Leibenath-Truppe nicht, die guten Leistungen der Vorwochen (fünf Siege in sechs Spielen) wieder abzurufen und musste sich dem späteren Play-off-Halbfinalisten geschlagen geben.
Dabei hatte die Saison so gut angefangen: Zwei spannenden und knappen Auftaktsiegen gegen die BG Göttingen und bei den Telekom Baskets Bonn folgten souveräne Erfolge gegen EnBW Ludwigsburg und den Mitteldeutschen BC. Die erste Saisonniederlage gegen die New Yorker Phantoms Braunschweig sollte der Auftakt einer Auf-und-Ab-Serie mit einigen knappen und unglücklichen Niederlagen sein wie gegen TBB Trier (73:75), den deutschen Meister EWE Baskets Oldenburg (62:66), die Walter Tigers Tübingen (80:83), BG Göttingen (78:79) und den Mitteldeutschen BC (80:81).
Während in der Beko Basketball Bundesliga von November bis Februar neun Niederlagen nur vier Siege gegenüberstanden, zeigten die „Drachen“ auf europäischem Parkett ein ganz anderes Gesicht. In der EuroChallenge holte die Leibenath-Truppe gegen Tartu Rock (Estland) einen 20-Punkte-Rückstand auf und bog diesen sogar in einen souveränen 94:71-Sieg um. Das andere Gesicht kam bei der 60:66-Heimniederlage in der Beko BBL gegen Braunschweig wieder zum Vorschein, als die Quakenbrücker eine 19-Punkte-Führung hergaben. In der nächsten Beko BBL-Partie bei den Brose Baskets Bamberg sah es dann zur Halbzeit nach einer deutlichen Niederlage für die Dragons aus, doch das Team zeigte Kampfgeist, der allerdings nicht belohnt wurde. Das Spiel ging 80:82 verloren. Ende Februar folgte dann wieder ein Höhepunkt: Gegen die webmoebel Baskets Paderborn errungen die Dragons den höchsten Sieg in ihrer Bundesliga-Geschichte (96:57). Mit zwei Siegen gegen Belgrad (Serbien) und Lüttich (Belgien) wahrten sie auch die Chance auf den Einzug ins EuroChallenge-Viertelfinale.
Dennoch reagierte Leibenath auf die schwankenden Leistungen mit einer Nachverpflichtung. Aufbauspieler Hollis Price (ehemals ALBA Berlin) kam Mitte Februar ins Artland und bestritt beim 83:71-Sieg in Hagen sein Beko BBL-Debüt im Drachen-Dress. Beim Heimspiel gegen Trier rettete der Neuzugang seiner Mannschaft mit einem Dreier ein paar Sekunden vor der Schlusssirene den 76:73-Sieg. Anfang März endeten in Zagreb nach einer knappen 67:69-Niederlage die Europa-Träume der „Drachen“ und auch in der Beko BBL musste die Leibenath-Truppe nach drei Siegen in Folge in Frankfurt eine deutliche 65:77-Niederlage hinnehmen.
Mit starken Auftritten gegen Gießen, den deutschen Meister Oldenburg und bei ALBA Berlin hielten die Quakenbrücker Basketballer die Play-off-Hoffnungen dennoch am Leben. Auch die Fans zeigten bei der „Wake the Dragon“-Aktion, dass sie noch an die Mannschaft glaubten. Nach drei weiteren souveränen Siegen gegen Düsseldorf, Ulm und Tübingen kam es wie schon in der vergangenen Saison zum Showdown am letzten Spieltag. Um die Play-off-Qualifikation zu schaffen, mussten die Dragons in Bremen gegen die Eisbären Bremerhaven gewinnen und gleichzeitig auf eine Niederlage von Braunschweig in Frankfurt hoffen.
In Bremen wirkte die Leibenath-Truppe nicht mehr so frisch wie in den Spielen zuvor. Die aggressive Bremerhavener Verteidigung bereitete dem Team große Schwierigkeiten, so dass die „Drachen“ zur Halbzeitpause mit elf Punkten zurücklagen. Zwar kam die Mannschaft noch einmal auf drei Punkte heran, am Ende fehlte allerdings die Kraft, um das Spiel doch noch zu drehen. So blieb den Dragons wie schon in der Saison zuvor nur der undankbare neunte Tabellenplatz, punktgleich mit dem Achten (Braunschweig).






